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Mittwoch, 29. Juli 2015

Spider hat ein neues Zuhause!

Um den Jahreswechsel 2010/2011 hätte der Schäfer-Malamute-Mischling Spider euthanasiert werden sollen, er wurde als gefährlich eingestuft. Im Rahmen meiner damaligen Arbeit im Tierschutz (Vier Pfoten) gelang seine Rettung.
Seit dem lebte er in der Pfotenhilfe in Lochen/OÖ.

Heute durfte ich erfahren, dass Spider seine Menschen gefunden hat und bereits in sein Zuhause eingezogen ist.

:)

*mademyday*

Ich freue mich so für ihn!

Und ich hoffe, dass Rottweiler Marlo nicht so lange warten muss und auch bald seine Menschen kennenlernt.

:)





Spider's Geschichte:

http://canissapiens-hundetraining.blogspot.co.at/2012/03/spider-sucht-ein-gemutliches-platzchen.html

http://canissapiens-hundetraining.blogspot.co.at/2010/12/neue-informationen-und-spider-macht.html

http://canissapiens-hundetraining.blogspot.co.at/2010/12/vorschnelles-todesurteil-hund-spider.html

Freitag, 17. April 2015

Marlo und die Tierklinik

Anfang dieser Woche war es soweit: Marlo, der Rotti aus Ungarn, wurde zu einer Tierklinik gebracht, um ihm Blut abzunehmen, seinen Bewegungsapparat durchzuchecken und ihn zu kastrieren.
Alles hat wie am Schnürchen geklappt, von der kompetenten Unterstützung der Pflegerin, bis hin zu einen sich sehr sehr lieben und braven Marlo, im Auto und auch beim Spritze geben. Tierarzt-Training sei dank...

Der Beitrag "Rottweiler Marlo - ungewisse Zukunft" hat sich zum Glück inzwischen grundlegend verändert. Marlo entwickelt sich prächtig, er erscheint oft wie ein Welpe/Junghund, der die Umwelt entdeckt.


Ein entzückender Marlo vor der Abfahrt zur Tierklinik:









Im Wartezimmer, nachdem sich der "Decke als Target - Spritze in Po-Ablauf" als erfolgreich herausgestellt hat: Spritzen geben war gar kein Problem...





... und schon schlafend...




... und schließlich schon wieder wach nach Röntgen, Blutabnahme und Kastration:



Die Ergebnisse:
Kastration ohne Zwischenfälle.
Blutbild: alles OK.
Röntgen: Hüfte OK, Ellenbogen, Schultergelenk leichte Arthrose... und Spondylosen im Brust- sowie auch Lendenwirbelbereich.

Jetzt schauen wir mal, was wir da unterstützend für ihn tun können. 
Denn eines ist nahezu sicher: das Attribut "gefährlich aggressiv" hat er auch deshalb bekommen, weil er einfach Schmerzen hatte, die wahrscheinlich durch einen harten Umgang verschlimmert wurden: ein Leinenruck während eines Schmerzschubes "tut weh zur Potenz"!


Aber jetzt wird es aber wirklich Zeit:
Dieser tolle Hund soll bald sein richtiges Zuhause kennenlernen:
InteressentInnen, nur her mit euch! :-) u.aigner(ät)gmail.com

Voraussetzung: Haus (am Land) mit Garten, keine (Klein-)Kinder, da er bisher "praktisch nichts" kennengelernt hat.

Aber auch eine Patenschaft wäre sehr wünschenswert: Marlo freut sich über Qualitätszeit, aber natürlich auch über finanzielle Hilfe.
Denn bis er endlich in ein Zuhause umziehen kann, wird noch Zeit vergehen und Unterbringung und vor allem akut die Tierklinik kosten Geld.

Daher sind UnterstützerInnen selbstverständlich herzlich willkommen:

Kontoinhaber: Private Tierhilfe Ungarn HYPO NÖ – Landesbank für NÖ und Wien
AT16 5300 0032 5502 1086
HYPNATWW
Kennwort Marlo

DANKE AN ALLE UNTERSTÜTZER_INNEN!

... to be continued ...

Sonntag, 15. März 2015

Ein Hundeleben lang sozial isoliert - Tierschutz, oder...?

Sogenanne Tierschutzhunde (aber auch andere) haben oft kein schönes Leben hinter sich: Schlechte oder zu wenig Erfahrungen mit Menschen und/oder der Umwelt drängt sie in (aus ihrer Sicht) ausweglose Situationen.

In die Ecke gedrängt ohne Rückzugsmöglichkeit ist Flüchten nicht möglich.

Und in solchen Situationen steigt das Stresslevel enorm, Stresshormone werden ausgeschüttet, die Wahrscheinlichkeit einer "Fight or Flight"-Reaktion ist enorm hoch.

Hat der Hund bereits in seiner Vergangenheit gelernt, dass Aggressionsverhalten funktioniert, wird dies relativ schnell zu einer "tollen Strategie" - aus Sicht des Hundes natürlich.

Solche Hunde erscheinen dann nicht unbedingt kontaktfreudig, so als wären sie alleine im Zwinger glücklich.
Weit gefehlt! Hunde sind hochsoziale Familienwesen, denen ein Leben ohne Sozialkontakt (ja, häufig fehlt auch innerartlicher Sozialkontakt) naturgemäß körperlich nicht schadet, aber das sie bestimmt nicht zufrieden macht.
Da bewegen wir uns dann schon fast in der "Nutz"-Tier-Haltungsdebatte, wo ja auch immer damit argumentiert wird, dass es den Tieren ja an nichts fehlt: Sie bekommen zu essen, müssen keine Kälte leiden, ...

Ja und? Das wäre ja gleich noch schöner, wenn dies ausreichen würde! Das kann nicht mehr als die absolute Mindestanforderung sein.

In der 2. Tierhaltungsverordnung ist wortwörtlich Sozialkontakt zu Menschen vorgeschrieben:

1.1. Allgemeine Anforderungen an das Halten von Hunden
(1) Hunden muss mindestens einmal täglich, ihrem Bewegungsbedürfnis entsprechend, ausreichend Gelegenheit zum Auslauf gegeben werden.
(2) Hunden, die vorwiegend in geschlossenen Räumen, z. B. Wohnungen, gehalten werden, muss mehrmals täglich die Möglichkeit zu Kot- und Harnabsatz im Freien ermöglicht werden.
(3) Hunden muss mindestens zwei Mal täglich Sozialkontakt mit Menschen gewährt werden.

(4) Wer mehrere Hunde hält, hat sie grundsätzlich in der Gruppe zu halten. Von der Gruppenhaltung darf nur dann abgesehen werden, wenn es sich um unverträgliche Hunde handelt oder wenn dies aus veterinärmedizinischen Gründen erforderlich ist.
(5) Welpen dürfen erst ab einem Alter von über acht Wochen vom Muttertier getrennt werden; dies gilt nicht, wenn die Trennung aus veterinärmedizinischen Gründen zum Schutz des Muttertieres oder zum Schutz der Welpen erforderlich ist. Ist eine vorzeitige Trennung mehrerer Welpen vom Muttertier erforderlich, so sind diese bis zu einem Alter von mindestens acht Wochen gemeinsam zu halten. Eine Ausnahme ist nur dann zulässig, wenn dies dem Wohl der Tiere dient und die Personen, welche die Tiere in ihre Obhut nehmen, über die erforderlichen Möglichkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten zur fachgerechten Aufzucht der Welpen verfügen.
(6) Maulkörbe müssen der Größe und Kopfform des Hundes angepasst und luftdurchlässig sein; sie müssen dem Hund das Hecheln und die Wasseraufnahme ermöglichen.

Es mag zwar Gesetze und Verordnungen geben, bei denen man die Sinnhaftigkeit hinterfragen kann, aber diese Mindestanforderung ist mehr als gerechtfertigt: Hunde sind domestizierte Tiere, dh. sie sind an ein Leben gemeinsam mit dem Menschen bestens angepasst und präferieren häufig menschliche vor hundlicher Gesellschaft. Ihnen dies vorzuenthalten, hat mit Tierschutz meiner Meinung nach wenig zu tun.

Soviel zur Theorie, selbstverständlich ist es nicht einfach, Zugang zu solchen Hunden zu bekommen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Dies sollten auch immer Personen durchführen, die dementsprechend ausgebildet sind und Erfahrung haben.

Annäherung mit - noch - gemischten Gefühlen.

Hier sind ersten Schritte des Vertrauensaufbaus bei der Hündin Susi (hier ihre Vorgeschichte) zu sehen. Achtung: Jeder Hund ist eine eigene Persönlichkeit, hat unterschiedliche Erfahrungen gemacht und daher verläuft die Phase des Vertrauensaufbaus bei jedem Hund anders.



Im Fall von Rottweiler Marlo, hier seine Geschichte, waren die Umstände sehr ungünstig, weshalb das Training etwas anders verlief. Im folgenden Video sieht man schon etwas fortgeschrittene Übungen, die Marlo zuerst mit mir gelernt hat, mit einer ihm fremden Person. Ein Auslauf war zum damaligen Zeitpunkt nicht möglich.



Es ist sehr sinnvoll, dass zuerst eine qualifizierte Person positiven Zugang zum Hund erreicht, damit man dem Hund überhaupt die Möglichkeit geben kann, Vertrauen zu fassen: Zuviele Köche verderben den Brei! Doch je nach Situation in unterschiedlichen Stufen ist es sogar sehr sinnvoll, andere Personen einzubinden. Es soll schließlich nicht so sein, dass der Hund nur zu einem Menschen Vertrauen fasst.

Im folgenden Video wird Marlo zum ersten Mal das Brustgeschirr angelegt.



Voraussetzungen waren in seinem Fall:
- positive Assoziation mit meiner Anwesenheit im Zwinger
- positive Assoziation mit Anblick des Brustgeschirrs
- positive Assoziation mit Bewegungen der Hand/des Brustgeschirrs im Brustkorbbereich
- Verhalten "Kopf durch Schlaufe stecken" positiv erlernt

Dadurch dass ich eine supertolle Unterkunft für Marlo organisieren konnte, entwickelt er sich prächtig, wie hier nachzulesen ist.
Die zuständigen Betreuungspersonen können ihm inzwischen ganz selbstverständlich das Brustgeschirr anlegen und mit ihm in den Auslauf gehen. Das klappt jetzt, nicht weil Marlo kein Problem hat, sondern weil er schön Schritt für Schritt lernen durfte. Weniger ist mehr!

Marlo genießt das, was kaum jemand für möglich gehalten hätte ...
... nämlich positiven Sozialkontakt mit Menschen, nicht nur mit mir.

Mir tut es im Herzen weh, wenn ich mitbekomme, dass manche Hunde "aufgegeben" werden, oder erst gar nicht begonnen wird, mit ihnen zu arbeiten, weil es sich nicht "auszahlt".

Sicher muss man bei solchen Hunden mal eine gewisse Hürde überwinden und es geht nicht so bequem und schnell wie mit anderen. Aber hat man als TrainerIn nicht genau bei solchen Hunden die Verpflichtung, sich einzusetzen bzw. Hilfe zu organisieren?

Die Erfahrung zeigt: Ist erstmal das erste Eis bei einer Person gebrochen, ist das Kennenlernen von anderen engagierten Menschen weitaus einfacher und sollte unbedingt - unter Anleitung - stattfinden. Der Aufwand ist auf alle Fälle gerechtfertigt und alle involvierten Menschen profitieren davon - der Hund sowieso.

Aus der Skepsis wurde Freundschaft.








Montag, 16. Februar 2015

Rottweiler Marlo lernt ... Vertrauen

Der heutige Besuch bei Marlo, dem Rottweiler aus Ungarn, war wieder äußerst erfreulich. :-)

Für alle Neu-EinsteigerInnen im Bericht über Marlos Leben, hier ist seine Geschichte nachzulesen.

Es ging wieder ins Freie. :-)


Auf dem Weg in den Auslauf entdeckt Marlo eine interessante Stelle.


Ruhiges Training: Marlo wartet auf die Beißkorbübung.




Auch als ein anderer Hund am Zaun vorbeiging, ließ sich Marlo, kurzfristig wieder angeleint, sehr gut umlenken.
Es ist sehr schön mitzuerleben, wie dankbar Marlo die Hilfe annimmt.




Marlo lernt Vertrauen.


Marlo genießt sein neues Leben, bekommt auch in meiner Abwesenheit Auslauf und erlebt freundliche und nette menschliche Gesellschaft.

Marlo hat es sich verdient, bald jemanden kennenzulernen, der oder die ihm ein schönes und liebevolles Zuhause geben kann.

Da er so wenig kennengelernt hat, ist ein Haus (am Land) mit Garten Voraussetzung, keine (Klein-)Kinder. Ein Kennenlernen wäre ab sofort möglich, Marlo braucht Zeit, um Vertrauen zu fassen.


Doch bis zu einer erfolgreichen Vermittlung wird noch Zeit vergehen und die Unterbringung in Österreich kostet - genauso wie in Ungarn - Geld.

Zudem stehen derzeit medizinische Untersuchungen an.

Daher sind finanzielle UnterstützerInnen selbstverständlich herzlich willkommen:

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DANKE AN ALLE UNTERSTÜTZER_INNEN!



... to be continued ...



Mittwoch, 25. September 2013

Mein "untoter" Hund und sein "Gehirntumor"

Seit März 2012 lebt Rotti-Schäfer-Mix Heinzi (um keine Verwirrung zu stiften: Heinzi = Hannes = Hans Black = Blacky) in unserer "wilden WG".

Heinzi hat deshalb auch den Beinamen "Untoter", weil er Anfang 2011 hätte getötet werden sollen, und zwar in einem Tierheim. Begründung: Gehirntumor, weil der Hund unberechenbar sei und auch schwer gebissen hat. Zumindest sei er einfach bösartig.

[Genaueres zu Heinzis "Abrichtevergangenheit", die ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist und seinen Entwicklungen findet Ihr hier:
http://canissapiens-hundetraining.blogspot.co.at/2012/04/besuch-bei-tierarztin-uber.html
http://canissapiens-hundetraining.blogspot.co.at/2012/05/aggression-weshalb-unterordnunggehorsam.html
http://canissapiens-hundetraining.blogspot.co.at/2013/03/hannes-lebt-seit-einem-jahr-bei-uns.html]

Heinzi (und seinem Gehirntumor :-) ) geht es inzwischen sehr gut. Die vermeintliche Unberechenbarkeit, die sich laut TierheimmitarbeiterInnen unter anderem dadurch gezeigt haben soll, dass Heinzi sich auf den Rücken wirft, dann aber auf Streicheln mit Aufspringen und Knurren reagiert, soll also deutliches Zeichen eines Gehirntumors sein. Der Amtstierarzt war sich seiner Sache sehr sicher, denn er wollte Heinzis Lebensrettung mit allen Mitteln verhindern.

Äääähhhhm, tja, was soll ich da als Hundetrainerin sagen???
Vielleicht war dieses auf den Rücken werfen keine Einladung zum Streicheln, sondern submissives Verhalten?
Vielleicht wollte er sogar wirklich gestreichelt werden, die Grenze, wann es ihm genug an Nähe ist, wurde aber nicht (an-)erkannt.

Ich kann mir durchaus beides vorstellen.
Einerseits wurde mir erzählt, wie sich Heinzi noch im Tierheim lebend beim Heben einer Hand demütig auf den Rücken fallen ließ.
Andererseits ist Heinzi ein absolut liebenswerter Schmuser, der sich dadurch aber in Situationen bringt, die ihm dann doch unheimlich oder zuviel sein können - je nachdem, wie gut er die Menschen kennt bzw. wie gut die Menschen auf sein Ausdrucksverhalten achten (bzw. es überhaupt lesen können).

3-4 Mal seit Heinzi bei mir lebt, konnte ich mit eigenen Augen sehen, wie er sich von einer ihm bekannten Person streicheln lässt, dann aber plötzlich aufspringt und knurrt. Er ließ sich immer durch ein nettes "Heinzi, komm da her" von mir abrufen und zeigte im Anschluss kein problematisches Verhalten. In jedem Fall lehnte sich die Person entweder leicht über ihn, blickte ihm in die Augen oder reagierte auf Heinzis Beschwichtigungsverhalten (Nase lecken, Schlucken) nicht adäquat - nämlich mit Streicheln aufhören!!!
[Ich lasse Heinzi selbstverständlich an sich von niemandem einfach so streicheln]

Wenn Heinzi heute von geliebten Menschen gestreichelt wird, sieht er so aus: :-)


Flathead Heinzi hat keinen Grund zu beschwichtigen, denn er hat gelernt, manchen Menschen auch zu vertrauen.

"Ich bin sooooo lieb", sagt Heinzi vertrauensvoll. Denn er kann sich darauf verlassen, dass er nicht mit Nähe überfordert wird.

Aber das Zusammenleben mit Heinzi ist anders, als mit einem "normalen" Hund (gibt es so einen?).
Leider hat er in seiner dunklen Vergangenheit vor allem in Konflikt- oder Stresssituationen gelernt, dass ihm Aggressionsverhalten eine Erleichterung bringt. Danke an alle Rangordnungs- und DominanzfanatikerInnen, die auf absoluten Gehorsam und Hunde abrichten stehen:

Ihr habt Heinzi zu dem gemacht, was er heute ist: Ein schnell gestresstes Nervenbündel, in dessen Kopf Aggressionsverhalten überrepräsentiert ist.

Aber auch das ist bereits kein Vergleich mehr zur Anfangszeit bei mir (subjektiv ist frau ja immer kritischer, objektive Aufzeichnungen belegen die Fortschritte :-)). Heinzi ist auch beim Besuch fremder Menschen lenkbar [selbstverständlich mit Sicherheitsmaßnahmen], ist schon U-Bahn gefahren und kommt überhaupt mit seinem Leben viel besser klar...

UND: Heinzi ist einer der besten Lehrmeister, den sich eine Hundetrainerin wünschen kann. :-)





Dienstag, 15. Mai 2012

Aggression? Weshalb Unterordnung/Gehorsam der falsche Weg ist...

Das Aggressionsverhalten von Hunden... hört sich schon gefährlich an, oder? Ich denke, es gibt kaum eine Verhaltensweise von Hunden, die derart fehlinterpretiert wird.
Aggressive Kommunikation (siehe Grafik Eskalationsstufen) ist jedoch hundliches Normalverhalten und dient einem Zweck: Distanzvergrößerung. 


Die Kommunikation beginnt ganz unten, je nachdem wie stark sich der Hund in einer Situation bedroht fühlt, werden die Stufen aufsteigend "beschritten".
Der grüne Bereich zeigt an, dass dem Hund etwas bereits unangenehm ist, er jedoch mit der Situation so weit umgehen kann. Wird die Situation jedoch nicht verändert, bzw steigt die Bedrohung aus Sicht des Hundes, wird der gelbe Bereich erreicht. Hier fühlt sich der Hund mehr und mehr bedrängt, zeigt bereits Stressreaktionen. Die Bedrohung hält an bzw wird schlimmer? --> die rote Zone wird erreicht. Ein Hund in diesem Bereich macht sich bereit, sich zu verteidigen. Ein Biss erfolgt aber erst als letztmögliche Handlungsalternative.

Es ist individuell unterschiedlich (Genetik, Sozialisation und Lernerfahrungen), mit welchen Situationen ein Hund noch umgehen kann und in welchen er sich bereits bedrängt oder bedroht fühlt. 

Manche Hunde haben derart schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht (und/oder es wurde in ihrer Frühentwicklung die wichtige Phase der Sozialisation verpasst), dass sie unbekannte, sich schnell bewegende, laute... Menschen furchterregend und beängstigend empfinden. Ein schnelles geradliniges Vorbeigehen einer unbekannten Person kann hier schon Verbellen und/oder Knurren und/oder Hinschnappen auslösen. 

Dies ist selbstverständlich ein Zustand, der verändert werden muss! Leider ist es für HundebesitzerInnen nicht einfach, aus dem verwirrenden Angebot an Hundeschulen und -TrainerInnen das "Richtige" auszuwählen. Es kann fatale Folgen haben, wenn das Training darauf beruht, den Hund zu dominieren, er als Befehlsempfänger degradiert wird und rein über Gehorsam/Unterordnung gearbeitet wird - ganz abgesehen von der Tierschutzrelevanz dieser Methoden. 

Meistens werden deutlich wahrnehmbare Signale wie Bellen, Knurren, Hinspringen, Schnappen, ... bestraft bzw. korrigiert, woraufhin sich der Hund bestenfalls vorübergehend einschüchtern lässt und "gehorcht". Denn was lernt der Hund bei dieser "Behandlung"? Dass andere Menschen (Kinder, andere Hunde, Autos, welche Reize auch immer den Hund ängstigen) bewirken, dass er bestraft und somit noch mehr geängstigt wird UND die deutlichen Warnstufen wie Bellen, Knurren, etc einfach überspringt... und gleich beißt.
Derartiges - leider noch immer gängiges - Training ist die perfekte Anleitung zu "Wie mache ich aus meinem Hund einen Angstbeißer, der ohne Vorwarnung zupackt?" und produziert tickende Zeitbomben, die irgendwann "explodieren" (müssen). 

Was passiert schlussendlich mit solchen Hunden, denen Unberechenbarkeit und "Bösartigkeit" unbewusst, aber gezielt beigebracht wurde? Sie werden getötet. 
Ich musste bereits mehrere Hunde kennen lernen, die jetzt nicht mehr leben, weil sie "euthanasiert" (guter Tod???) wurden...An den Hunden lag's nicht, die wären über Training mit Verstand, das auch funktioniert, froh gewesen... an den Menschen scheitert's - wie so oft.
Allesamt wurden sie verhaut durch Dominanz- und RangordnungsfanatikerInnen, die weder von modernem, gewaltfreiem und positivem Training noch vom Ausdrucksverhalten von Hunden eine Ahnung haben. Aber Unterordnen und "Gehorsam" einfordern, das können sie. Ihnen hilflos ausgelieferte Lebewesen zeigen, wer "der Herr im Haus" ist. Und am Lebensende des Hundes dann wahrscheinlich sagen: "Der Hund ist einfach dominant und aggressiv, da kann man nix machen...". 


Hansi, Baghira, Nemo und ich...

Diesen Satz habe ich auch vor einiger Zeit von Hansi gehört. Achja, unberechenbar war er auch. Merkwürdig, dass er das bei mir nicht (mehr) ist. Hansi hatte Glück, er kann jetzt bei mir wohnen und integriert sich sowohl in die hundliche als auch in die menschliche Gesellschaft vorbildlich. Wunder? Ausnahme? NEIN!

Auch die Schäferhündin in diesem Video hatte Glück und kam nicht zu Unterordnungs- und DominanztrainerInnen, sondern durfte durch Vertrauen, geschicktes gewaltfreies und positives Training lernen, dass ihr in dieser Welt nichts geschieht... 



Sie haben auch einen sehr ängstlichen Hund zu Hause? Er verbellt Menschen, knurrt wenn Besuch kommt oder hat auch schon geschnappt? Oder Sie können Ihren Hund überhaupt nicht (mehr) einschätzen? Kontaktieren Sie mich, es gibt immer eine Möglichkeit, Ihrem Hund und Ihnen zu helfen - dauerhaft.




Donnerstag, 26. April 2012

Besuch bei Tierärztin - über Unterordnungsmüll, Hunde abrichten und Hansi, dem Untoten



Hansi, früher Blacky genannt, wäre heute eigentlich schon tot. Und zwar seit dem 7.1.2011. Am Tag seiner geplanten Tötung (Beruhigungsmittel war schon im Futternapf) war es nur durch physische Intervention möglich, ihn mitnehmen zu können. Seit 1,5 Monaten lebt er jetzt fix bei mir.

Der Grund für die geplante "Euthanasie" (als ob so ein Tod "schön", "gut" oder "richtig" wär...) war die Unberechenbarkeit und Aggressivität, so wurde mir erzählt. Hansi bekam für Einsperren, Handlingsversuche, Besuche bei TierärztInnen, etc in "Betragen" nicht gerade ein "vorzüglich".

Hansi vor ca. einem Jahr im Tierheim:
Sehr unsicher, ob er Menschen,
die sich nähern, vertrauen kann.
Das kann ich grundsätzlich auch bestätigen: Hansis Reaktion auf das erste Mal Brustgeschirr anziehen war nervöses und hektisches Herumlaufen. Man muss nicht besonders viel Phantasie haben, um sich vorstellen zu können, wie Hansi sich da aufführen könnte, wenn man ihn zu etwas zwingt.

Da ich ihn aber nicht gezwungen hatte, lernte er, dass ihm nichts Schlimmes passieren wird. Anfangs war besonders in die Augen schauen (bzw nur kurzes Blicke treffen) für ihn massiv bedrohlich: Je nachdem, welche Erfahrungen er bereits mit dieser Person machen musste, ging er entweder grummelnd nach vorne oder starrte "nur" zurück - was selbstverständlich Eindruck hinterlässt.
Und zwar auf BEIDEN Seiten: Mensch zieht sich zurück und Hans denkt sich: JAWOLL, weg sind's!

Das Beißkorb-Training, inzwischen erfolgreich abgeschlossen, war auch besonders "lustig": Auf Festhalten (zum Riemen zumachen) reagierte er mit rückwärts laufen, sich aufstellen und "herumknurren"...


Eines der ersten Male, dass Hansi ein Brustgeschirr angezogen bekommt. Verwunderlich, dass das "so einfach" geht, aber für UnterordnungsfanatikerInnen anscheinend so schwierig ist, dass sein Todesurteil bereits feststand...
Inzwischen muss ich beim Anziehen längst kein Futter mehr verwenden - aber ich könnte und tu's auch hin und wieder. :-)

Doch wieso verhält sich ein Hund wie Hansi derart "unangenehm"? Wurde er "dominant, unberechenbar und aggressiv" geboren?

Die Antwort ist selbstverständlich NEIN.
Hansi ist nur absolut unverstanden und misshandelt worden, und zwar so, dass er auf ein Heben der Hand mit sich-auf-den-Rücken-werfen reagierte.

"Dominanter und aggressiver" Hansi, ganz eindeutig!
Er wurde in Unterordnung abgerichtet, um ihm zu zeigen, wo sein "Platz in der Rangordnung" (die es nicht mal zwischen Hunden gibt - wieso dann zwischen Mensch und Hund?) ist - Sitz, Platz, Bleib, Fuss, Aus, Pfui Laut.

Das alles mit körperlicher Strafe - Leinenruck, Schlagen und co - (bzw. die Androhung davon - Anschreien, Drohfixieren) und Zwangsmaßnahmen (Fangleine...).

Obwohl das für JEDEN Hund dieselbe tierquälerische Tortur ist, geben zum Glück (oder leider?!) wohl die meisten Hunde nach... und "funktionieren". Sonst gäbe es viel mehr Unfälle, wenn man sich die Methoden auf Hundeplätzen und manch anderer Leute so ansieht...

Hansi lernte also, wie er sich erfolgreich zur Wehr setzen kann - reine Selbstverteidigung. Aggressionsverhalten funktioniert Menschen gegenüber meist "recht gut", weshalb sich aus seiner Sicht schnell Erfolge einstellten und er endlich seine Ruhe hatte.


Nach dem Impfen heute :-)
Heute war ich mit Baghira, Nömsi und Hansi bei der Tierärztin (http://www.tierphysio-rodaun.at/, sehr zu empfehlen) impfen.
Mit Hansi, dem Untoten, war die Prozedur selbstverständlich vorsichtiger, als bei den anderen beiden, hat aber wunderbar - ohne großartige aggressive Ausrutscher - funktioniert.

Unberechenbar? Dominant? Ist Hansi ein anderer Hund durch die Namensänderung?

Genau das macht MICH inzwischen ziemlich aggressiv...

Hansi ist kein Einzelfall, meine gewaltfrei arbeitenden KollegInnen und ich vollbringen keine Wunder, die andere Menschen niemals schaffen können.

Wir nehmen Rücksicht auf das, was Hunde uns durch ihr Ausdrucksverhalten mitteilen, geben ihnen Vertrauen und Sicherheit und arbeiten mit ihnen gewaltfrei und belohnungsbasiert, unter Berücksichtigung von lerntheoretischen Grundlagen.

WAS IST DARAN SO SCHWER?


Dienstag, 4. Januar 2011

Ergebnisse der Untersuchung, Unschönes und Spider liebt Autofahren



Gestern habe ich alle Ergebnisse der Untersuchung erhalten: Röntgen-Bilder und Blutbefund.




Die Schilddrüsenwerte liegen im unteren Normbereich, eine erneute Messung nach 6-8 Wochen werde ich veranlassen.

Nun zum Unschönen: meine Planung der weiteren Versorgung von Spider wird sabotiert. Die Leitung des "ganz normalen österreichischen" Tierheims verzerrt die Vorfall-Geschichte, verstrickt sich selbst in Widersprüche und stellt Spider abermals als "pathologisch bösartig" dar! Unterste Schublade!
:-(
Erschreckend und schockierend, was hier alles an Intrigen läuft, um "gut dazustehen"! Anscheinend hat jemand einen enormen Drang, die geplante Euthanasie rechtfertigen zu müssen.
Jedenfalls habe ich bereits einen Plan B.

Zum Schluß wieder mal der brave Spider:
Beim Spaziergang entlang bellender Hunde hinter einem Zaun ist Spider kaum aus der Ruhe zu bringen, er begrüßt freudigst bereits bekannte menschliche Freundinnen und ist begeisterter Autofahrer.
Soviel zur Bösartigkeit...
Fotos werden nachgereicht!

Freitag, 31. Dezember 2010

Neuigkeiten und Spider macht weiterhin Fortschritte


Beim Unfallhergang gibt es eine neue Variante: es kann sein, dass die Pflegerin, die verletzt wurde, Spider „hinten angeschoben“ hat, weil er anscheinend nicht in den Auslauf wollte. Spider’s angebliche Bösartigkeit löst sich jedenfalls immer mehr in Luft auf. 

Er war heute wieder sehr motiviert, nur anfangs im großen Auslauf üben die Gerüche und Markier-Stellen der anderen Hunde eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf Spider aus. Sobald er alles fertig abgecheckt, markiert und gescharrt hat, ist er bereit für neue Aufgaben, wie sehr schön auf dem Video zu sehen ist. 




Übrigens scheint Spider auch kein Verteidiger von Essen zu sein: Nachdem ich ihm ein Kaustangerl zum Anknabbern gegeben hatte, ließ er sich ohne Probleme mit einem Leckerli davon abbringen – ich hab ihm das Stangerl natürlich nicht weggenommen. Auch wenn ich es in der Hand gehalten hab, war er völlig entspannt. 

Ich hoffe, dass er im Jahr 2011 ein schönes neues Zuhause findet!

Vorschnelles Todesurteil - Hund Spider darf weiterleben!


Wie so viele andere Tiere auch, kam Spider vor ein paar Monaten in ein ganz normales österreichisches Tierheim. Leider passierte ein Unfall: als eine Pflegerin den 4jährigen Hund im Freilauf ableinte und danach im Hüftbereich streichelte, „fiel“ Spider die Pflegerin „an“ und verletzte sie im Gesichts-/Halsbereich. Wie sich später heraus stellte, handelte es sich um oberflächliche Hautabschürfungen, ein Nähen der Wunde war nicht notwendig.

Der zuvor als freundlich bezeichnete Hund wurde sofort als extrem gefährlich abgestempelt, nach einer tierheiminternen Abstimmung stand fest: Spider ist so gefährlich, dass nur die Euthanasie die Öffentlichkeit vor weiteren Angriffen bewahren kann; offensichtlich ohne Wissen über hundliches Verhalten, ohne den Unfallshergang zu hinterfragen und ohne abzuklären, ob Spider vielleicht Schmerzen haben könnte.

Durch die - sehr gute und unkomplizierte - vereinsübergreifende Zusammenarbeit von sehr engagierten HundefreundInnen, ist es gelungen, Spider’s Leben zu retten. Nach zwei Wochen eingesperrt im Zwinger ohne Sozialkontakt, durfte ich ihn mir vor einer Woche "ansehen“, um ein Urteil zu fällen. Spider zeigte sich als vergleichsweise ruhiger Hund, in Anbetracht seiner Lebensumstände. Ich konnte keinerlei Drohverhalten dem Menschen gegenüber feststellen. Er verbellte uns nicht einmal, obwohl ich gemeinsam mit vier MitarbeiterInnen vor seiner Zwingertür stand – selbst das hätte ich als „normal“ eingestuft.

Spider wurde zwar angebunden an einem Baum gefunden, bevor er ins Tierheim kam, aber ich brauchte nur ein paar Telefonate, um herausfinden, wo Spider seine ersten drei Lebensjahre verbracht hatte - schließlich war Spider gechippt und registriert. Er lebte bei einer Familie mit 2 Kindern, Katzen und Kaninchen. Diese Familie beschreibt Spider als kinderliebend und freundlich, selbst die zierliche Frau konnte mit ihm problemlos spazieren gehen. Auch mit anderen Hunden gab es keine Probleme. Der Grund seiner Abgabe waren Schwierigkeiten mit einem neuen Vermieter, der Hundehaltung verbot. Das alles bestätigte mein Gefühl, dass hier vorschnell entschieden wurde.

Nach einigen Zu- und Absagen konnte ich eine adäquate Unterbringung organisieren, wo ich ihn jetzt auch kennen lernen und mit ihm trainieren kann. So haben wir ihn gestern endlich abgeholt. Im Tierheim musste ich noch unterschreiben, dass mir bewusst sei, dass „Spider bei uns eine Tierpflegerin angefallen und im Gesicht gebissen hat“ – sicher ist sicher.

Da mir selbstverständlich klar ist, dass insbesondere Schmerzen zu derartigen Vorfällen führen können, ließ ich Spider gesundheitlich abchecken: HD- und LWS-Röntgen (Spider ist ein Schäfer-Husky-Mischling), Blutuntersuchung (Differentialblutbild, Leber-, Nieren-, Zucker- und Schilddrüsenwerte), Augen-, Ohren- und Zahnkontrolle, etc. Er hat ein leichtes Rolllid, damit aber kaum Probleme, das bisschen Zahnstein wurde entfernt und seine Ohren sind völlig OK. Herz- und Bauchraum unauffällig, ganz kurz abgewetzte Krallen. Blutbild im Normalbereich, die Schilddrüsenwerte fehlen noch. Im Bereich der Lendenwirbelsäule zeigen sich keine Veränderungen, jedoch besteht eine geringgradige HD auf der linken Seite. Schmerzen können also durchaus ursächlich für den Unfall verantwortlich sein, zumal zur Zeit Gelenksschmerzen wetterbedingt intensiver empfunden werden können.



Heute habe ich Spider wieder besucht, er ist so ein lieber, sanfter und höflicher Hund, der sehr gerne gekrault wird – selbstverständlich habe ich ihn nur ganz vorsichtig hauptsächlich im Hals- und Brustbereich gestreichelt und seine Hüftpartie bewusst ausgelassen, wenn er von sich aus zu mir kam.

Spider durfte mit mir gemeinsam in einen eingezäunten Freilaufbereich, wo ich ihn erstmal beobachtete und ihn belohnte, wenn er zu mir kam. Da der Unfall kurz nach dem Ableinen passierte, wollte ich testen, wie Spider auf An- und Ableinen und eine gespannte Leine reagiert. Wieder einmal zeigte er sich äußerst kooperativ und war sehr aufmerksam. Auch ein Griff ins Brustgeschirr bereitete ihm keine Probleme (ich habe ihn natürlich nicht mit meinen Bewegungen überrascht und auch nicht alles auf einmal gemacht!).
Jeder Hund, leider aber gerade ein großer, schwarzer mit dieser Geschichte, sollte das Tragen eines Beißkorbs kennen. Heute hat Spider die „ersten Schritte“ gemacht: Leckerlis essen aus dem Beißkorb. Weil das so gut funktioniert hat, habe ich auch schon damit begonnen, ihm den Riemen übers Genick zu legen (aber ohne Zumachen!).





Ich werde mich jetzt längere Zeit sehr intensiv um Spider kümmern und berichte hier über seine Entwicklungen. Langfristig bin ich auch auf der Suche nach einem guten Zuhause.
Bei Interesse und/oder Fragen bitte ich um Kontaktaufnahme. :-)