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Montag, 23. Februar 2015
Marlo freut sich!
Marlo zu besuchen, bereitet ja immer Freude. Dass die Freude auch auf seiner Seite ist, zeigt er inzwischen sehr deutlich: Freuden-Sprünge, Winseln, Streicheln lassen... und das auch bei seinen BetreuerInnen. Nettes Zusatz-Feature: Er kann Sitzen auf Signal, auch wenn er sich freut. :-)
Was bisher mit Marlo geschah...(zum Nachlesen) - aber nur soviel: Marlo lebte in seinem kurzen Leben nahezu ausschließlich in kleinen Zwingern, das letzte Jahr auf 6m². Marlo galt als aggressiv, im Schutzhundesport erfahrene Trainer wagten nicht, mit ihm zu arbeiten. Als er zum ersten Mal wieder ins Freie durfte, musste er buchstäblich gehen lernen (er robbte fast am Bauch), weil er mit dem Untergrund und allen Umwelteinflüssen überfordert war.
Aber nun zum heutigen Besuch:
Maulkorb-Training: Ein paar Schritte gehen und Riemen um Nacken legen, ohne Verschließen.
Marlo ist ein ganz lieber, offener und freundlicher Hund und genießt auch ein paar Streicheleinheiten.
Marlo reagiert auch bereits viel besser und kann sich länger konzentrieren. Anfangs war er ja so überwältigt, dass er sich von manchen Reizen kaum lösen konnte, an ein lockeres Wegrufen wär da nicht zu denken gewesen.
Als netten Abschluß durfte Marlo in eine Box in einem Auto springen und dort Kekse suchen. Und weil er das so toll fand, noch ein zweites Mal. Schön, dass ihn der Transport in der Box aus Ungarn nicht verängstigte. :-)
Ein Wahnsinn, wie großartig Marlo sich entwickelt.
Und dieser tolle Hund soll natürlich auch ein richtiges Zuhause bekommen.
InteressentInnen, nur her mit euch! :-) u.aigner(ät)gmail.com
Voraussetzung: Haus (am Land) mit Garten, keine (Klein-)Kinder, da er bisher "praktisch nichts" kennengelernt hat.
Doch bis dahin wird noch Zeit vergehen und die Unterbringung in Österreich kostet - genauso wie in Ungarn - Geld.
Daher sind finanzielle UnterstützerInnen selbstverständlich herzlich willkommen:
Kontoinhaber: Private Tierhilfe Ungarn HYPO NÖ – Landesbank für NÖ und Wien
AT16 5300 0032 5502 1086
HYPNATWW
Kennwort Marlo
DANKE AN ALLE UNTERSTÜTZER_INNEN!
... to be continued ...
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Aggressionsverhalten,
Belohnung,
Brustgeschirr,
erhöhtes Gefährdungspotenzial,
gefährlich,
Gehorsam,
gewaltfreies Hundetraining,
Konzentration,
Kooperation,
Problemverhalten
Freitag, 25. April 2014
Hunde vermenschlichen - ein Problem?
Auf "The Huffington Post" wurde ein Beitrag von mir veröffentlicht :-)
http://www.huffingtonpost.de/ursula-aigner/hunde-vermenschlichen-erziehung_b_5205808.html
Liegt die Wahrheit in der Mitte? Im Durchschnitt - „Von allem ein bisschen", „Jede Seite hat Recht"?
Wie in vielen anderen Bereichen auch gibt es bei solchen Rechnungen keine Verbesserung: Wenn die Hälfte der Menschen ein Kilogramm Brot täglich zur Verfügung hat, die andere Hälfte jedoch nichts, bedeutet das eben NICHT, dass alle ein halbes Kilogramm tatsächlich essen können.
Ich kann hier lediglich auf ein paar ausgewählte Bereiche eingehen, um zu zeigen, dass nur ein Ansatz im Umgang mit dem Lebewesen Hund gesellschaftlich adäquat, moralisch und ethisch vertretbar und wissenschaftlich fundiert ist.
1. Der Hund als Ersatz für (zwischen-)menschliche Lücken?
Hunde sind hochsoziale, (mit-)fühlende, intelligente und bindungsfähige Lebewesen, die sich im Laufe der Domestikation an ein Leben mit Menschen angepasst haben und sie sind kognitiv vergleichbar mit menschlichen Kleinkindern. Daher ist eine sehr enge Beziehung und Bindung zwischen Mensch und Hund etwas Wünschenswertes.
Eines sollten wir jedoch nicht vergessen: Hunde sind trotz allem Hunde und keine kleinen Menschen in Hundegestalt. Daher ist es IMMER - unabhängig von der Hunderasse - notwendig, sich mit Hundeverhalten und hundlichen Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Schließlich sollte die Gemeinschaft Mensch-Hund eine Win-win-Situation sein.
Wenn diese Win-win-Situation für den Menschen den Vorteil bringt, eine/n FreundIn zu haben, die eine tiefe Verbundenheit mit sich bringt UND der Hund dabei glücklich ist - wunderbar!
Wenn diese Win-win-Situation für den Menschen den Vorteil bringt, ihr/sein Bedürfnis zu befriedigen, sich um jemanden zu kümmern UND der Hund dabei glücklich ist - wunderbar!
Wenn diese Win-win-Situation für den Menschen den Vorteil bringt, eine/n verlässliche/n PartnerIn für Freizeitaktivitäten zu haben UND der Hund dabei glücklich ist - wunderbar!
Abzulehnen ist selbstverständlich die Anschaffung eines Hundes, der als Mode-Accessoire missbraucht und wie eine Tasche behandelt wird. Auch menschliche Individuen, deren Finanzen ein teures Auto nicht erlauben, die sich aber dafür einen „scharfen" Hund halten - und ihn dementsprechend hart behandeln -, um ihr Mini-Ego aufzubessern, sind zu verurteilen.
Daher:
Vermenschlichung im Sinne der Hunde: JA.
Hundehaltung, die aus einer Modeströmung erwächst oder die kleine Egos aufbessern soll: NEIN.
2. Manche Hunde tragen Mäntel - absolut unnatürliche Vermenschlichung?
Hunde haben durch künstliche (also vom Menschen verursachte) Zuchtauswahl sehr divergierende Erscheinungsbilder. Zudem leben sie in beheizten Räumen, was verhindert, dass sich ein entsprechendes Winterfell bildet. Vor allem manche kurzhaarige Rassen haben in der kalten Jahreszeit also nichts zu lachen. Dasselbe gilt für ältere Tiere, die ihre Energien nicht für Wärmeproduktion verschwenden sollten, im Sinne eines weiteren langen Lebens. Es hat daher grundsätzlich gar nichts mit "böser Vermenschlichung" zu tun, wenn ein Hund einen Mantel trägt.
Ausgenommen sind natürlich Mode-Accessoires, deren Funktion erst erfunden werden muss, oder Kleidungsstücke, die den Hund in seinem natürlichen Verhalten behindern und/oder ihm unvorbereitet aufgezwungen werden. Also: zuerst informieren (was unter anderem bis zum Ende lesen und verstehen bedeutet) und dann urteilen!
3. Natürliche Hundeernährung?
Der Hund stammt vom Wolf ab. Der Wolf frisst Beutetiere samt deren Mageninhalt. Daher tendieren Hunde, wie auch Wölfe, schon mal eher in Richtung Allesesser (Omnivore) - viel mehr als unsere Hauskatzen, die die Innereien eher liegen lassen.
Hunde sind jedoch keine Wölfe mehr. Sie haben sich im Zuge der Domestikation (Haustierwerdung) mit großer Wahrscheinlichkeit unter anderem freiwillig der menschlichen Gesellschaft angeschlossen und die Vorteile davon genossen: Die Nahrungsreste der Menschen waren gute, nahrhafte und einfache „Beute". Und Überraschung: Die Nahrungsreste bestanden nicht unbedingt aus Fleisch.
Daher: Die Versorgung mit notwendigen Nährstoffen ist sowohl mittels rein pflanzlicher Quellen als auch „herkömmlich" möglich. Die Gesundheit unserer Hunde hängt nicht davon ab, ob die Inhaltsstoffe tierlicher oder pflanzlicher Herkunft sind, sie müssen den Bedürfnissen der Hunde angepasst sein. Wenn also über Ernährung von Hunden diskutiert wird, dann bitte auf einem höheren Niveau und nicht über „Glaubenskriege".
Dasselbe gilt im Übrigen auch für Fertigfutter vs. Frischfütterung/Kochen für den Hund: Es gibt hochwertiges Fertigfutter, das selbstverständlich einer einseitigen Frischfütterung überlegen ist, genauso wie minderwertige Produkte, in denen Abfälle der menschlichen Nahrungsmittelproduktion verarbeitet und teuer verkauft werden.
4. Korrigieren, dominieren, Rangordnung klarstellen, bestrafen statt belohnen?
Manche Ewiggestrige sehen den Hund ausschließlich als Rudeltier, das sich einem Führer natürlich unterordnet, wenn sich dieser nur entsprechend dominant behauptet. „Dominant behaupten" heißt hier meistens, den Hund mit Zischlauten, Leinenrucks, Alpha-Würfen von unerwünschtem, aber durchaus natürlichem Verhalten abzuhalten. "Korrektur" wird das dann beschönigend genannt.
Selbst wenn diese Korrektur auch nur irgendwie tierschutzgerecht wäre oder effektiv erscheint, lernt ein Hund dadurch nicht, was er eigentlich tun soll oder könnte. Allein die Tatsache, dass derartige Korrekturen immer und immer wieder notwendig sind (und häufig immer heftiger ausfallen, sobald die „mildere" Korrektur ihre Wirkung verfehlt), oder zumindest die Androhung dieser - ein warnender Blick z.B. -, sollte doch schon Hinweis genug sein, dass diese Methode nicht nachhaltig ist.
Das Resultat eines solchen „Trainings" ist lediglich ein Hund, der aufgehört hat, sich zu wehren und unter Umständen sogar in einen depressiven bis lethargischen Zustand verfällt. „Gut abgerichtet", würden manche „KollegInnen" sagen. Viele TrainerkollegInnen, WissenschafterInnen und ich sagen dazu "erlernte Hilflosigkeit". Dabei verschwindet das - im wahrsten Sinne des Wortes - bekämpfte Fehlverhalten, doch der Hund wird ein Ventil für seine aufgestauten Gefühle suchen müssen: Stressbedingte Erkrankungen, andere Verhaltensauffälligkeiten wie Stereotypien, etc.
In diversen TV-Shows wird ein Hund, der nach einem langen Kampf mit dem selbsternannten Hundetrainer regungslos am Boden liegt, als "entspannt" bezeichnet. Der Hund ist jedoch in Wirklichkeit alles andere als das: „Vor Angst nach Luft ringend und völlig erschöpft" wäre noch immer eine beschönigende Formulierung dieser Tierquälerei.
Es entzieht sich meiner Vorstellungskraft, wie eine derartige Empathielosigkeit seitens aller beteiligten Menschen (auch der leichtgläubigen ZuseherInnen!) zustande kommen kann: Die Augen derart behandelter Hunde sind vor Angst weit aufgerissen, die Atmung ist schnell und flach und nicht ruhig, wie es ein tatsächlich entspannter Hund zeigen würde.
5. Verhundlichen des Menschen als Lösung?
„Hunde untereinander sind auch nicht zimperlich.", „Hunde bestrafen sich gegenseitig auch." - Das oder Ähnliches hört man immer wieder als Legitimation für mehr oder minder harte Bestrafungen oder Korrekturen.
Erstens gehen Hunde Konfrontationen primär aus dem Weg und zweitens sind wir MENSCHEN, keine Hunde. Des Weiteren habe ich auch noch keinen Hund erlebt, der einem anderen Hund Leinenführigkeit beibringen wollte. In diesem Sinne für die unverbesserlichen BesserwisserInnen: Viel Spaß bei der Ano-Genital-Kontrolle und beim Revier markieren! Wenn schon, denn schon!
Es muss doch unser Ziel sein, unseren Hunden zu helfen, erwünschtes und gesellschaftlich sicheres Verhalten zu zeigen - ob der vielen Unnatürlichkeiten im Leben unserer Hunde AUCH mit Leckerli-Belohnung! Allein schon die Geräuschkulisse in unserem Großstadtleben hat sich sehr schnell sehr stark verändert, verglichen mit den Umweltreizen zu Zeiten der Domestikation. Das ist von einer Natürlichkeit aus „Hundesicht" weit entfernt.
6. Positive Verstärkung - Degradierung zum Futterautomat?
Selbstverständlich nicht. Der gezielte Einsatz von Futter- oder anderen Belohnungen ermöglicht dem Hund in kleinen positiven Lernschritten, sich im Dickicht der menslichen Regeln zurechtzufinden.
Stellen wir uns einmal vor (als EuropäerInnen), plötzlich in Peking alleine auf der Straße zu stehen. Wir kennen weder die Schriftzeichen, noch verstehen wir ein gesprochenes Wort. Ich denke, wir wären sehr dankbar, wenn sich jemand uns annehmen würde, der in kleinen, verständlichen Schritten erklärt, was wichtig ist, damit wir uns verständigen können.
Jemand, der uns bei jedem falschen Wort - und es kann nur falsch sein! - bestraft, wird uns bestimmt zur Verzweiflung bringen. Selbst wenn die Strafe nur ein Korrekturwort (nämlich "falsch") wäre, also nichts Bedrohliches oder Schmerzhaftes, wird uns das Gefühl der Frustration früher oder später äußerst lernunwillig machen.
Manche sagen auch "stur" dazu ... Klingelt's? Sie kennen bestimmt viele Hunde, die total „stur" einfach nicht das tun, was sie tun sollen. Schon mal darüber nachgedacht, dass sie vielleicht noch gar nicht wissen, was sie überhaupt tun sollen? Oder dass es andere Gründe außer "Sturheit" geben kann, weshalb ein Hund nicht sofort unsere Gedanken lesen kann?
7. Muss man dann immer mit Leckerlis belohnen?
Nein, aber man kann, da fällt mir auch kein Zacken aus der Krone. Warum auch nicht, wenn mein Hund daran eine Freude hat, habe auch ich eine Freude damit (meine Hunde sind im Übrigen schlank und pumperlgesund). Aber es gibt auch genügend andere Möglichkeiten, einen Hund zu belohnen oder ihn glücklich zu machen.
Merkwürdig erscheint mir überhaupt, dass die Frage recht häufig ist: „Wann kann man aufhören mit den Belohnungen?" Wieso sollte ich aufhören, meinem Hund Anerkennung, Zufriedenheit und Glück zu bescheren? Neben der Tatsache, dass es für unsere harmonische Beziehung förderlich ist?
Interessanterweise stellt kaum jemand die Frage: „Wann kann ich mit bestrafen/korrigieren aufhören?"... Weshalb? Weil die Begründung ja so "logisch" ist: Der Hund möchte halt noch immer die WeltHERRschaft an sich reißen. Welch veraltetes Halb-Wissen (abseits der Macho-Allüren übertragen auf unschuldige Hunde; allein deshalb schon abzulehnen!).
Die Theorie der starren Rangordnung, bei der der "Dominante" immer aufpassen muss, dass er nicht vom "Subdominanten" überfallen und gestürzt wird, stützt sich auf Konfrontationen, die bei Wölfen in Gefangenschaft beobachtet wurden. Was sagt uns das über Hunde? Gar nichts, da Hunde längst keine Wölfe mehr sind. Und selbst die Schlussfolgerung Wölfen gegenüber ist inkorrekt, denn eine natürliche Wolfsfamilie hat mit einem willkürlich zusammengewürfelten Haufen an Wolfindividuen auf zu engem Raum nichts zu tun.
Fazit: Alles, was Hunde gerne tun/mögen, kann als Belohnung angeboten werden: Schnüffeln, Spuren suchen, spielen, laufen, Aufmerksamkeit, ... und natürlich auch Essbares.
Daher individuell auf die Bedürfnisse und Vorlieben des jeweiligen Hundes eingehen statt vermeintliche Pauschallösungen aufzwingen!
Vermenschlichung bedeutet für mich, Hunde und deren Gefühlswelt ernst zu nehmen. Denn wir Menschen sind verantwortlich dafür, ob es unseren Hunden gut oder schlecht geht. Hunde haben keine Wahl und lieben zumeist ihre Menschen - bedingungslos. Diese bedingungslose Liebe verpflichtet uns als vernunftbegabte und empathiefähige Menschen, dafür zu sorgen, dass es unseren Hunden gut geht und sie glücklich sind!
http://www.huffingtonpost.de/ursula-aigner/hunde-vermenschlichen-erziehung_b_5205808.html
Mäntel, Spielzeug, Gourmetfutter: Wie weit dürfen wir Hunde zu Menschen erziehen?
"Rangordnung vs. Verweichlichung" - „Natur des Hundes vs. böse Vermenschlichung"... das sind wohl DIE gegensätzlichen Glaubenssätze in der Hundewelt.
Liegt die Wahrheit in der Mitte? Im Durchschnitt - „Von allem ein bisschen", „Jede Seite hat Recht"?
Wie in vielen anderen Bereichen auch gibt es bei solchen Rechnungen keine Verbesserung: Wenn die Hälfte der Menschen ein Kilogramm Brot täglich zur Verfügung hat, die andere Hälfte jedoch nichts, bedeutet das eben NICHT, dass alle ein halbes Kilogramm tatsächlich essen können.
Ich kann hier lediglich auf ein paar ausgewählte Bereiche eingehen, um zu zeigen, dass nur ein Ansatz im Umgang mit dem Lebewesen Hund gesellschaftlich adäquat, moralisch und ethisch vertretbar und wissenschaftlich fundiert ist.
1. Der Hund als Ersatz für (zwischen-)menschliche Lücken?
Hunde sind hochsoziale, (mit-)fühlende, intelligente und bindungsfähige Lebewesen, die sich im Laufe der Domestikation an ein Leben mit Menschen angepasst haben und sie sind kognitiv vergleichbar mit menschlichen Kleinkindern. Daher ist eine sehr enge Beziehung und Bindung zwischen Mensch und Hund etwas Wünschenswertes.
Eines sollten wir jedoch nicht vergessen: Hunde sind trotz allem Hunde und keine kleinen Menschen in Hundegestalt. Daher ist es IMMER - unabhängig von der Hunderasse - notwendig, sich mit Hundeverhalten und hundlichen Bedürfnissen auseinanderzusetzen. Schließlich sollte die Gemeinschaft Mensch-Hund eine Win-win-Situation sein.
Wenn diese Win-win-Situation für den Menschen den Vorteil bringt, eine/n FreundIn zu haben, die eine tiefe Verbundenheit mit sich bringt UND der Hund dabei glücklich ist - wunderbar!
Wenn diese Win-win-Situation für den Menschen den Vorteil bringt, ihr/sein Bedürfnis zu befriedigen, sich um jemanden zu kümmern UND der Hund dabei glücklich ist - wunderbar!
Wenn diese Win-win-Situation für den Menschen den Vorteil bringt, eine/n verlässliche/n PartnerIn für Freizeitaktivitäten zu haben UND der Hund dabei glücklich ist - wunderbar!
Abzulehnen ist selbstverständlich die Anschaffung eines Hundes, der als Mode-Accessoire missbraucht und wie eine Tasche behandelt wird. Auch menschliche Individuen, deren Finanzen ein teures Auto nicht erlauben, die sich aber dafür einen „scharfen" Hund halten - und ihn dementsprechend hart behandeln -, um ihr Mini-Ego aufzubessern, sind zu verurteilen.
Daher:
Vermenschlichung im Sinne der Hunde: JA.
Hundehaltung, die aus einer Modeströmung erwächst oder die kleine Egos aufbessern soll: NEIN.
2. Manche Hunde tragen Mäntel - absolut unnatürliche Vermenschlichung?
Hunde haben durch künstliche (also vom Menschen verursachte) Zuchtauswahl sehr divergierende Erscheinungsbilder. Zudem leben sie in beheizten Räumen, was verhindert, dass sich ein entsprechendes Winterfell bildet. Vor allem manche kurzhaarige Rassen haben in der kalten Jahreszeit also nichts zu lachen. Dasselbe gilt für ältere Tiere, die ihre Energien nicht für Wärmeproduktion verschwenden sollten, im Sinne eines weiteren langen Lebens. Es hat daher grundsätzlich gar nichts mit "böser Vermenschlichung" zu tun, wenn ein Hund einen Mantel trägt.
Ausgenommen sind natürlich Mode-Accessoires, deren Funktion erst erfunden werden muss, oder Kleidungsstücke, die den Hund in seinem natürlichen Verhalten behindern und/oder ihm unvorbereitet aufgezwungen werden. Also: zuerst informieren (was unter anderem bis zum Ende lesen und verstehen bedeutet) und dann urteilen!
3. Natürliche Hundeernährung?
Der Hund stammt vom Wolf ab. Der Wolf frisst Beutetiere samt deren Mageninhalt. Daher tendieren Hunde, wie auch Wölfe, schon mal eher in Richtung Allesesser (Omnivore) - viel mehr als unsere Hauskatzen, die die Innereien eher liegen lassen.
Hunde sind jedoch keine Wölfe mehr. Sie haben sich im Zuge der Domestikation (Haustierwerdung) mit großer Wahrscheinlichkeit unter anderem freiwillig der menschlichen Gesellschaft angeschlossen und die Vorteile davon genossen: Die Nahrungsreste der Menschen waren gute, nahrhafte und einfache „Beute". Und Überraschung: Die Nahrungsreste bestanden nicht unbedingt aus Fleisch.
Daher: Die Versorgung mit notwendigen Nährstoffen ist sowohl mittels rein pflanzlicher Quellen als auch „herkömmlich" möglich. Die Gesundheit unserer Hunde hängt nicht davon ab, ob die Inhaltsstoffe tierlicher oder pflanzlicher Herkunft sind, sie müssen den Bedürfnissen der Hunde angepasst sein. Wenn also über Ernährung von Hunden diskutiert wird, dann bitte auf einem höheren Niveau und nicht über „Glaubenskriege".
Dasselbe gilt im Übrigen auch für Fertigfutter vs. Frischfütterung/Kochen für den Hund: Es gibt hochwertiges Fertigfutter, das selbstverständlich einer einseitigen Frischfütterung überlegen ist, genauso wie minderwertige Produkte, in denen Abfälle der menschlichen Nahrungsmittelproduktion verarbeitet und teuer verkauft werden.
4. Korrigieren, dominieren, Rangordnung klarstellen, bestrafen statt belohnen?
Manche Ewiggestrige sehen den Hund ausschließlich als Rudeltier, das sich einem Führer natürlich unterordnet, wenn sich dieser nur entsprechend dominant behauptet. „Dominant behaupten" heißt hier meistens, den Hund mit Zischlauten, Leinenrucks, Alpha-Würfen von unerwünschtem, aber durchaus natürlichem Verhalten abzuhalten. "Korrektur" wird das dann beschönigend genannt.
Selbst wenn diese Korrektur auch nur irgendwie tierschutzgerecht wäre oder effektiv erscheint, lernt ein Hund dadurch nicht, was er eigentlich tun soll oder könnte. Allein die Tatsache, dass derartige Korrekturen immer und immer wieder notwendig sind (und häufig immer heftiger ausfallen, sobald die „mildere" Korrektur ihre Wirkung verfehlt), oder zumindest die Androhung dieser - ein warnender Blick z.B. -, sollte doch schon Hinweis genug sein, dass diese Methode nicht nachhaltig ist.
Das Resultat eines solchen „Trainings" ist lediglich ein Hund, der aufgehört hat, sich zu wehren und unter Umständen sogar in einen depressiven bis lethargischen Zustand verfällt. „Gut abgerichtet", würden manche „KollegInnen" sagen. Viele TrainerkollegInnen, WissenschafterInnen und ich sagen dazu "erlernte Hilflosigkeit". Dabei verschwindet das - im wahrsten Sinne des Wortes - bekämpfte Fehlverhalten, doch der Hund wird ein Ventil für seine aufgestauten Gefühle suchen müssen: Stressbedingte Erkrankungen, andere Verhaltensauffälligkeiten wie Stereotypien, etc.
In diversen TV-Shows wird ein Hund, der nach einem langen Kampf mit dem selbsternannten Hundetrainer regungslos am Boden liegt, als "entspannt" bezeichnet. Der Hund ist jedoch in Wirklichkeit alles andere als das: „Vor Angst nach Luft ringend und völlig erschöpft" wäre noch immer eine beschönigende Formulierung dieser Tierquälerei.
Es entzieht sich meiner Vorstellungskraft, wie eine derartige Empathielosigkeit seitens aller beteiligten Menschen (auch der leichtgläubigen ZuseherInnen!) zustande kommen kann: Die Augen derart behandelter Hunde sind vor Angst weit aufgerissen, die Atmung ist schnell und flach und nicht ruhig, wie es ein tatsächlich entspannter Hund zeigen würde.
5. Verhundlichen des Menschen als Lösung?
„Hunde untereinander sind auch nicht zimperlich.", „Hunde bestrafen sich gegenseitig auch." - Das oder Ähnliches hört man immer wieder als Legitimation für mehr oder minder harte Bestrafungen oder Korrekturen.
Erstens gehen Hunde Konfrontationen primär aus dem Weg und zweitens sind wir MENSCHEN, keine Hunde. Des Weiteren habe ich auch noch keinen Hund erlebt, der einem anderen Hund Leinenführigkeit beibringen wollte. In diesem Sinne für die unverbesserlichen BesserwisserInnen: Viel Spaß bei der Ano-Genital-Kontrolle und beim Revier markieren! Wenn schon, denn schon!
Es muss doch unser Ziel sein, unseren Hunden zu helfen, erwünschtes und gesellschaftlich sicheres Verhalten zu zeigen - ob der vielen Unnatürlichkeiten im Leben unserer Hunde AUCH mit Leckerli-Belohnung! Allein schon die Geräuschkulisse in unserem Großstadtleben hat sich sehr schnell sehr stark verändert, verglichen mit den Umweltreizen zu Zeiten der Domestikation. Das ist von einer Natürlichkeit aus „Hundesicht" weit entfernt.
6. Positive Verstärkung - Degradierung zum Futterautomat?
Selbstverständlich nicht. Der gezielte Einsatz von Futter- oder anderen Belohnungen ermöglicht dem Hund in kleinen positiven Lernschritten, sich im Dickicht der menslichen Regeln zurechtzufinden.
Stellen wir uns einmal vor (als EuropäerInnen), plötzlich in Peking alleine auf der Straße zu stehen. Wir kennen weder die Schriftzeichen, noch verstehen wir ein gesprochenes Wort. Ich denke, wir wären sehr dankbar, wenn sich jemand uns annehmen würde, der in kleinen, verständlichen Schritten erklärt, was wichtig ist, damit wir uns verständigen können.
Jemand, der uns bei jedem falschen Wort - und es kann nur falsch sein! - bestraft, wird uns bestimmt zur Verzweiflung bringen. Selbst wenn die Strafe nur ein Korrekturwort (nämlich "falsch") wäre, also nichts Bedrohliches oder Schmerzhaftes, wird uns das Gefühl der Frustration früher oder später äußerst lernunwillig machen.
Manche sagen auch "stur" dazu ... Klingelt's? Sie kennen bestimmt viele Hunde, die total „stur" einfach nicht das tun, was sie tun sollen. Schon mal darüber nachgedacht, dass sie vielleicht noch gar nicht wissen, was sie überhaupt tun sollen? Oder dass es andere Gründe außer "Sturheit" geben kann, weshalb ein Hund nicht sofort unsere Gedanken lesen kann?
7. Muss man dann immer mit Leckerlis belohnen?
Nein, aber man kann, da fällt mir auch kein Zacken aus der Krone. Warum auch nicht, wenn mein Hund daran eine Freude hat, habe auch ich eine Freude damit (meine Hunde sind im Übrigen schlank und pumperlgesund). Aber es gibt auch genügend andere Möglichkeiten, einen Hund zu belohnen oder ihn glücklich zu machen.
Merkwürdig erscheint mir überhaupt, dass die Frage recht häufig ist: „Wann kann man aufhören mit den Belohnungen?" Wieso sollte ich aufhören, meinem Hund Anerkennung, Zufriedenheit und Glück zu bescheren? Neben der Tatsache, dass es für unsere harmonische Beziehung förderlich ist?
Interessanterweise stellt kaum jemand die Frage: „Wann kann ich mit bestrafen/korrigieren aufhören?"... Weshalb? Weil die Begründung ja so "logisch" ist: Der Hund möchte halt noch immer die WeltHERRschaft an sich reißen. Welch veraltetes Halb-Wissen (abseits der Macho-Allüren übertragen auf unschuldige Hunde; allein deshalb schon abzulehnen!).
Die Theorie der starren Rangordnung, bei der der "Dominante" immer aufpassen muss, dass er nicht vom "Subdominanten" überfallen und gestürzt wird, stützt sich auf Konfrontationen, die bei Wölfen in Gefangenschaft beobachtet wurden. Was sagt uns das über Hunde? Gar nichts, da Hunde längst keine Wölfe mehr sind. Und selbst die Schlussfolgerung Wölfen gegenüber ist inkorrekt, denn eine natürliche Wolfsfamilie hat mit einem willkürlich zusammengewürfelten Haufen an Wolfindividuen auf zu engem Raum nichts zu tun.
Fazit: Alles, was Hunde gerne tun/mögen, kann als Belohnung angeboten werden: Schnüffeln, Spuren suchen, spielen, laufen, Aufmerksamkeit, ... und natürlich auch Essbares.
Daher individuell auf die Bedürfnisse und Vorlieben des jeweiligen Hundes eingehen statt vermeintliche Pauschallösungen aufzwingen!
Vermenschlichung bedeutet für mich, Hunde und deren Gefühlswelt ernst zu nehmen. Denn wir Menschen sind verantwortlich dafür, ob es unseren Hunden gut oder schlecht geht. Hunde haben keine Wahl und lieben zumeist ihre Menschen - bedingungslos. Diese bedingungslose Liebe verpflichtet uns als vernunftbegabte und empathiefähige Menschen, dafür zu sorgen, dass es unseren Hunden gut geht und sie glücklich sind!
Dienstag, 15. Mai 2012
Aggression? Weshalb Unterordnung/Gehorsam der falsche Weg ist...
Das Aggressionsverhalten von Hunden... hört sich schon gefährlich an, oder? Ich denke, es gibt kaum eine Verhaltensweise von Hunden, die derart fehlinterpretiert wird.
Aggressive Kommunikation (siehe Grafik Eskalationsstufen) ist jedoch hundliches Normalverhalten und dient einem Zweck: Distanzvergrößerung.
Die Kommunikation beginnt ganz unten, je nachdem wie stark sich der Hund in einer Situation bedroht fühlt, werden die Stufen aufsteigend "beschritten".
Der grüne Bereich zeigt an, dass dem Hund etwas bereits unangenehm
ist, er jedoch mit der Situation so weit umgehen kann. Wird die Situation jedoch nicht verändert, bzw steigt die Bedrohung aus Sicht des Hundes, wird der gelbe Bereich erreicht. Hier fühlt sich der Hund mehr und mehr bedrängt, zeigt bereits Stressreaktionen. Die Bedrohung hält an bzw wird schlimmer? --> die rote Zone wird erreicht. Ein
Hund in diesem Bereich macht sich bereit, sich zu verteidigen. Ein
Biss erfolgt aber erst als letztmögliche Handlungsalternative.
Es ist individuell unterschiedlich (Genetik, Sozialisation und Lernerfahrungen), mit
welchen Situationen ein Hund noch umgehen kann und in welchen er sich
bereits bedrängt oder bedroht fühlt.
Manche Hunde haben derart schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht (und/oder es wurde in ihrer Frühentwicklung die wichtige Phase der Sozialisation verpasst), dass sie unbekannte, sich schnell bewegende, laute... Menschen furchterregend und beängstigend empfinden. Ein schnelles geradliniges Vorbeigehen einer unbekannten Person kann hier schon Verbellen und/oder Knurren und/oder Hinschnappen auslösen.
Dies ist selbstverständlich ein Zustand, der verändert werden muss! Leider ist es für HundebesitzerInnen nicht einfach, aus dem verwirrenden Angebot an Hundeschulen und -TrainerInnen das "Richtige" auszuwählen. Es kann fatale Folgen haben, wenn das Training darauf beruht, den Hund zu dominieren, er als Befehlsempfänger degradiert wird und rein über Gehorsam/Unterordnung gearbeitet wird - ganz abgesehen von der Tierschutzrelevanz dieser Methoden.
Meistens werden deutlich wahrnehmbare Signale wie Bellen, Knurren, Hinspringen, Schnappen, ... bestraft bzw. korrigiert, woraufhin sich der Hund bestenfalls vorübergehend einschüchtern lässt und "gehorcht". Denn was lernt der Hund bei dieser "Behandlung"? Dass andere Menschen (Kinder, andere Hunde, Autos, welche Reize auch immer den Hund ängstigen) bewirken, dass er bestraft und somit noch mehr geängstigt wird UND die deutlichen Warnstufen wie Bellen, Knurren, etc einfach überspringt... und gleich beißt.
Derartiges - leider noch immer gängiges - Training ist die perfekte Anleitung zu "Wie mache ich aus meinem Hund einen Angstbeißer, der ohne Vorwarnung zupackt?" und produziert tickende Zeitbomben, die irgendwann "explodieren" (müssen).
Was passiert schlussendlich mit solchen Hunden, denen Unberechenbarkeit und "Bösartigkeit" unbewusst, aber gezielt beigebracht wurde? Sie werden getötet.
Ich musste bereits mehrere Hunde kennen lernen, die jetzt nicht mehr leben, weil sie "euthanasiert" (guter Tod???) wurden...An den Hunden lag's nicht, die wären über Training mit Verstand, das auch funktioniert, froh gewesen... an den Menschen scheitert's - wie so oft.
Allesamt wurden sie verhaut durch Dominanz- und RangordnungsfanatikerInnen, die weder von modernem, gewaltfreiem und positivem Training noch vom Ausdrucksverhalten von Hunden eine Ahnung haben. Aber Unterordnen und "Gehorsam" einfordern, das können sie. Ihnen hilflos ausgelieferte Lebewesen zeigen, wer "der Herr im Haus" ist. Und am Lebensende des Hundes dann wahrscheinlich sagen: "Der Hund ist einfach dominant und aggressiv, da kann man nix machen...".
| Hansi, Baghira, Nemo und ich... |
Diesen Satz habe ich auch vor einiger Zeit von Hansi gehört. Achja, unberechenbar war er auch. Merkwürdig, dass er das bei mir nicht (mehr) ist. Hansi hatte Glück, er kann jetzt bei mir wohnen und integriert sich sowohl in die hundliche als auch in die menschliche Gesellschaft vorbildlich. Wunder? Ausnahme? NEIN!
Auch die Schäferhündin in diesem Video
hatte Glück und kam nicht zu Unterordnungs- und DominanztrainerInnen,
sondern durfte durch Vertrauen, geschicktes gewaltfreies und positives Training lernen, dass ihr in dieser Welt nichts geschieht...
Sie haben auch einen sehr ängstlichen Hund zu Hause? Er verbellt Menschen, knurrt wenn Besuch kommt oder hat auch schon geschnappt? Oder Sie können Ihren Hund überhaupt nicht (mehr) einschätzen? Kontaktieren Sie mich, es gibt immer eine Möglichkeit, Ihrem Hund und Ihnen zu helfen - dauerhaft.
Donnerstag, 26. April 2012
Besuch bei Tierärztin - über Unterordnungsmüll, Hunde abrichten und Hansi, dem Untoten
Hansi, früher Blacky genannt, wäre heute eigentlich schon tot. Und zwar seit dem 7.1.2011. Am Tag seiner geplanten Tötung (Beruhigungsmittel war schon im Futternapf) war es nur durch physische Intervention möglich, ihn mitnehmen zu können. Seit 1,5 Monaten lebt er jetzt fix bei mir.
Der Grund für die geplante "Euthanasie" (als ob so ein Tod "schön", "gut" oder "richtig" wär...) war die Unberechenbarkeit und Aggressivität, so wurde mir erzählt. Hansi bekam für Einsperren, Handlingsversuche, Besuche bei TierärztInnen, etc in "Betragen" nicht gerade ein "vorzüglich".
| Hansi vor ca. einem Jahr im Tierheim: Sehr unsicher, ob er Menschen, die sich nähern, vertrauen kann. |
Da ich ihn aber nicht gezwungen hatte, lernte er, dass ihm nichts Schlimmes passieren wird. Anfangs war besonders in die Augen schauen (bzw nur kurzes Blicke treffen) für ihn massiv bedrohlich: Je nachdem, welche Erfahrungen er bereits mit dieser Person machen musste, ging er entweder grummelnd nach vorne oder starrte "nur" zurück - was selbstverständlich Eindruck hinterlässt.
Und zwar auf BEIDEN Seiten: Mensch zieht sich zurück und Hans denkt sich: JAWOLL, weg sind's!
Das Beißkorb-Training, inzwischen erfolgreich abgeschlossen, war auch besonders "lustig": Auf Festhalten (zum Riemen zumachen) reagierte er mit rückwärts laufen, sich aufstellen und "herumknurren"...
Eines der ersten Male, dass Hansi ein Brustgeschirr angezogen bekommt. Verwunderlich, dass das "so einfach" geht, aber für UnterordnungsfanatikerInnen anscheinend so schwierig ist, dass sein Todesurteil bereits feststand...
Inzwischen muss ich beim Anziehen längst kein Futter mehr verwenden - aber ich könnte und tu's auch hin und wieder. :-)
Inzwischen muss ich beim Anziehen längst kein Futter mehr verwenden - aber ich könnte und tu's auch hin und wieder. :-)
Doch wieso verhält sich ein Hund wie Hansi derart "unangenehm"? Wurde er "dominant, unberechenbar und aggressiv" geboren?
Die Antwort ist selbstverständlich NEIN.
Hansi ist nur absolut unverstanden und misshandelt worden, und zwar so, dass er auf ein Heben der Hand mit sich-auf-den-Rücken-werfen reagierte.
![]() |
| "Dominanter und aggressiver" Hansi, ganz eindeutig! |
Das alles mit körperlicher Strafe - Leinenruck, Schlagen und co - (bzw. die Androhung davon - Anschreien, Drohfixieren) und Zwangsmaßnahmen (Fangleine...).
Obwohl das für JEDEN Hund dieselbe tierquälerische Tortur ist, geben zum Glück (oder leider?!) wohl die meisten Hunde nach... und "funktionieren". Sonst gäbe es viel mehr Unfälle, wenn man sich die Methoden auf Hundeplätzen und manch anderer Leute so ansieht...
Hansi lernte also, wie er sich erfolgreich zur Wehr setzen kann - reine Selbstverteidigung. Aggressionsverhalten funktioniert Menschen gegenüber meist "recht gut", weshalb sich aus seiner Sicht schnell Erfolge einstellten und er endlich seine Ruhe hatte.
![]() |
| Nach dem Impfen heute :-) |
Mit Hansi, dem Untoten, war die Prozedur selbstverständlich vorsichtiger, als bei den anderen beiden, hat aber wunderbar - ohne großartige aggressive Ausrutscher - funktioniert.
Unberechenbar? Dominant? Ist Hansi ein anderer Hund durch die Namensänderung?
Genau das macht MICH inzwischen ziemlich aggressiv...
Hansi ist kein Einzelfall, meine gewaltfrei arbeitenden KollegInnen und ich vollbringen keine Wunder, die andere Menschen niemals schaffen können.
Wir nehmen Rücksicht auf das, was Hunde uns durch ihr Ausdrucksverhalten mitteilen, geben ihnen Vertrauen und Sicherheit und arbeiten mit ihnen gewaltfrei und belohnungsbasiert, unter Berücksichtigung von lerntheoretischen Grundlagen.
WAS IST DARAN SO SCHWER?
Labels:
Aggressivität,
bedürfnisorientiert,
belohnungsbasiert,
Clickertraining,
Dominanz,
Euthanasie,
Gehorsam,
Kampfhund,
Problemverhalten,
tierschutzrelevant,
Trainieren statt dominieren
Sonntag, 2. Januar 2011
Unkompliziertes Kippohr
Spider's liebes Kippohr von hinten beim heutigen Spaziergang! :-)
Beim Zurückkommen mussten wir durch einen relativ engen Gang, auf der einen Seite waren Hunde im Freilauf, die uns lautstark "begrüßten". Das alles war Spider egal, er wartete einfach, bis ich aufgesperrt hatte und marschierte mit mir weiter.
Unkompliziert!
Freitag, 31. Dezember 2010
Vorschnelles Todesurteil - Hund Spider darf weiterleben!
Wie so viele andere Tiere auch, kam Spider vor ein paar Monaten in ein ganz normales österreichisches Tierheim. Leider passierte ein Unfall: als eine Pflegerin den 4jährigen Hund im Freilauf ableinte und danach im Hüftbereich streichelte, „fiel“ Spider die Pflegerin „an“ und verletzte sie im Gesichts-/Halsbereich. Wie sich später heraus stellte, handelte es sich um oberflächliche Hautabschürfungen, ein Nähen der Wunde war nicht notwendig.
Durch die - sehr gute und unkomplizierte - vereinsübergreifende Zusammenarbeit von sehr engagierten HundefreundInnen, ist es gelungen, Spider’s Leben zu retten. Nach zwei Wochen eingesperrt im Zwinger ohne Sozialkontakt, durfte ich ihn mir vor einer Woche "ansehen“, um ein Urteil zu fällen. Spider zeigte sich als vergleichsweise ruhiger Hund, in Anbetracht seiner Lebensumstände. Ich konnte keinerlei Drohverhalten dem Menschen gegenüber feststellen. Er verbellte uns nicht einmal, obwohl ich gemeinsam mit vier MitarbeiterInnen vor seiner Zwingertür stand – selbst das hätte ich als „normal“ eingestuft.
Spider wurde zwar angebunden an einem Baum gefunden, bevor er ins Tierheim kam, aber ich brauchte nur ein paar Telefonate, um herausfinden, wo Spider seine ersten drei Lebensjahre verbracht hatte - schließlich war Spider gechippt und registriert. Er lebte bei einer Familie mit 2 Kindern, Katzen und Kaninchen. Diese Familie beschreibt Spider als kinderliebend und freundlich, selbst die zierliche Frau konnte mit ihm problemlos spazieren gehen. Auch mit anderen Hunden gab es keine Probleme. Der Grund seiner Abgabe waren Schwierigkeiten mit einem neuen Vermieter, der Hundehaltung verbot. Das alles bestätigte mein Gefühl, dass hier vorschnell entschieden wurde.
Nach einigen Zu- und Absagen konnte ich eine adäquate Unterbringung organisieren, wo ich ihn jetzt auch kennen lernen und mit ihm trainieren kann. So haben wir ihn gestern endlich abgeholt. Im Tierheim musste ich noch unterschreiben, dass mir bewusst sei, dass „Spider bei uns eine Tierpflegerin angefallen und im Gesicht gebissen hat“ – sicher ist sicher.
Da mir selbstverständlich klar ist, dass insbesondere Schmerzen zu derartigen Vorfällen führen können, ließ ich Spider gesundheitlich abchecken: HD- und LWS-Röntgen (Spider ist ein Schäfer-Husky-Mischling), Blutuntersuchung (Differentialblutbild, Leber-, Nieren-, Zucker- und Schilddrüsenwerte), Augen-, Ohren- und Zahnkontrolle, etc. Er hat ein leichtes Rolllid, damit aber kaum Probleme, das bisschen Zahnstein wurde entfernt und seine Ohren sind völlig OK. Herz- und Bauchraum unauffällig, ganz kurz abgewetzte Krallen. Blutbild im Normalbereich, die Schilddrüsenwerte fehlen noch. Im Bereich der Lendenwirbelsäule zeigen sich keine Veränderungen, jedoch besteht eine geringgradige HD auf der linken Seite. Schmerzen können also durchaus ursächlich für den Unfall verantwortlich sein, zumal zur Zeit Gelenksschmerzen wetterbedingt intensiver empfunden werden können.
Heute habe ich Spider wieder besucht, er ist so ein lieber, sanfter und höflicher Hund, der sehr gerne gekrault wird – selbstverständlich habe ich ihn nur ganz vorsichtig hauptsächlich im Hals- und Brustbereich gestreichelt und seine Hüftpartie bewusst ausgelassen, wenn er von sich aus zu mir kam.
Spider durfte mit mir gemeinsam in einen eingezäunten Freilaufbereich, wo ich ihn erstmal beobachtete und ihn belohnte, wenn er zu mir kam. Da der Unfall kurz nach dem Ableinen passierte, wollte ich testen, wie Spider auf An- und Ableinen und eine gespannte Leine reagiert. Wieder einmal zeigte er sich äußerst kooperativ und war sehr aufmerksam. Auch ein Griff ins Brustgeschirr bereitete ihm keine Probleme (ich habe ihn natürlich nicht mit meinen Bewegungen überrascht und auch nicht alles auf einmal gemacht!).
Jeder Hund, leider aber gerade ein großer, schwarzer mit dieser Geschichte, sollte das Tragen eines Beißkorbs kennen. Heute hat Spider die „ersten Schritte“ gemacht: Leckerlis essen aus dem Beißkorb. Weil das so gut funktioniert hat, habe ich auch schon damit begonnen, ihm den Riemen übers Genick zu legen (aber ohne Zumachen!).
Ich werde mich jetzt längere Zeit sehr intensiv um Spider kümmern und berichte hier über seine Entwicklungen. Langfristig bin ich auch auf der Suche nach einem guten Zuhause.
Bei Interesse und/oder Fragen bitte ich um Kontaktaufnahme. :-)
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