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Sonntag, 15. März 2015

Ein Hundeleben lang sozial isoliert - Tierschutz, oder...?

Sogenanne Tierschutzhunde (aber auch andere) haben oft kein schönes Leben hinter sich: Schlechte oder zu wenig Erfahrungen mit Menschen und/oder der Umwelt drängt sie in (aus ihrer Sicht) ausweglose Situationen.

In die Ecke gedrängt ohne Rückzugsmöglichkeit ist Flüchten nicht möglich.

Und in solchen Situationen steigt das Stresslevel enorm, Stresshormone werden ausgeschüttet, die Wahrscheinlichkeit einer "Fight or Flight"-Reaktion ist enorm hoch.

Hat der Hund bereits in seiner Vergangenheit gelernt, dass Aggressionsverhalten funktioniert, wird dies relativ schnell zu einer "tollen Strategie" - aus Sicht des Hundes natürlich.

Solche Hunde erscheinen dann nicht unbedingt kontaktfreudig, so als wären sie alleine im Zwinger glücklich.
Weit gefehlt! Hunde sind hochsoziale Familienwesen, denen ein Leben ohne Sozialkontakt (ja, häufig fehlt auch innerartlicher Sozialkontakt) naturgemäß körperlich nicht schadet, aber das sie bestimmt nicht zufrieden macht.
Da bewegen wir uns dann schon fast in der "Nutz"-Tier-Haltungsdebatte, wo ja auch immer damit argumentiert wird, dass es den Tieren ja an nichts fehlt: Sie bekommen zu essen, müssen keine Kälte leiden, ...

Ja und? Das wäre ja gleich noch schöner, wenn dies ausreichen würde! Das kann nicht mehr als die absolute Mindestanforderung sein.

In der 2. Tierhaltungsverordnung ist wortwörtlich Sozialkontakt zu Menschen vorgeschrieben:

1.1. Allgemeine Anforderungen an das Halten von Hunden
(1) Hunden muss mindestens einmal täglich, ihrem Bewegungsbedürfnis entsprechend, ausreichend Gelegenheit zum Auslauf gegeben werden.
(2) Hunden, die vorwiegend in geschlossenen Räumen, z. B. Wohnungen, gehalten werden, muss mehrmals täglich die Möglichkeit zu Kot- und Harnabsatz im Freien ermöglicht werden.
(3) Hunden muss mindestens zwei Mal täglich Sozialkontakt mit Menschen gewährt werden.

(4) Wer mehrere Hunde hält, hat sie grundsätzlich in der Gruppe zu halten. Von der Gruppenhaltung darf nur dann abgesehen werden, wenn es sich um unverträgliche Hunde handelt oder wenn dies aus veterinärmedizinischen Gründen erforderlich ist.
(5) Welpen dürfen erst ab einem Alter von über acht Wochen vom Muttertier getrennt werden; dies gilt nicht, wenn die Trennung aus veterinärmedizinischen Gründen zum Schutz des Muttertieres oder zum Schutz der Welpen erforderlich ist. Ist eine vorzeitige Trennung mehrerer Welpen vom Muttertier erforderlich, so sind diese bis zu einem Alter von mindestens acht Wochen gemeinsam zu halten. Eine Ausnahme ist nur dann zulässig, wenn dies dem Wohl der Tiere dient und die Personen, welche die Tiere in ihre Obhut nehmen, über die erforderlichen Möglichkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten zur fachgerechten Aufzucht der Welpen verfügen.
(6) Maulkörbe müssen der Größe und Kopfform des Hundes angepasst und luftdurchlässig sein; sie müssen dem Hund das Hecheln und die Wasseraufnahme ermöglichen.

Es mag zwar Gesetze und Verordnungen geben, bei denen man die Sinnhaftigkeit hinterfragen kann, aber diese Mindestanforderung ist mehr als gerechtfertigt: Hunde sind domestizierte Tiere, dh. sie sind an ein Leben gemeinsam mit dem Menschen bestens angepasst und präferieren häufig menschliche vor hundlicher Gesellschaft. Ihnen dies vorzuenthalten, hat mit Tierschutz meiner Meinung nach wenig zu tun.

Soviel zur Theorie, selbstverständlich ist es nicht einfach, Zugang zu solchen Hunden zu bekommen und ihr Vertrauen zu gewinnen. Dies sollten auch immer Personen durchführen, die dementsprechend ausgebildet sind und Erfahrung haben.

Annäherung mit - noch - gemischten Gefühlen.

Hier sind ersten Schritte des Vertrauensaufbaus bei der Hündin Susi (hier ihre Vorgeschichte) zu sehen. Achtung: Jeder Hund ist eine eigene Persönlichkeit, hat unterschiedliche Erfahrungen gemacht und daher verläuft die Phase des Vertrauensaufbaus bei jedem Hund anders.



Im Fall von Rottweiler Marlo, hier seine Geschichte, waren die Umstände sehr ungünstig, weshalb das Training etwas anders verlief. Im folgenden Video sieht man schon etwas fortgeschrittene Übungen, die Marlo zuerst mit mir gelernt hat, mit einer ihm fremden Person. Ein Auslauf war zum damaligen Zeitpunkt nicht möglich.



Es ist sehr sinnvoll, dass zuerst eine qualifizierte Person positiven Zugang zum Hund erreicht, damit man dem Hund überhaupt die Möglichkeit geben kann, Vertrauen zu fassen: Zuviele Köche verderben den Brei! Doch je nach Situation in unterschiedlichen Stufen ist es sogar sehr sinnvoll, andere Personen einzubinden. Es soll schließlich nicht so sein, dass der Hund nur zu einem Menschen Vertrauen fasst.

Im folgenden Video wird Marlo zum ersten Mal das Brustgeschirr angelegt.



Voraussetzungen waren in seinem Fall:
- positive Assoziation mit meiner Anwesenheit im Zwinger
- positive Assoziation mit Anblick des Brustgeschirrs
- positive Assoziation mit Bewegungen der Hand/des Brustgeschirrs im Brustkorbbereich
- Verhalten "Kopf durch Schlaufe stecken" positiv erlernt

Dadurch dass ich eine supertolle Unterkunft für Marlo organisieren konnte, entwickelt er sich prächtig, wie hier nachzulesen ist.
Die zuständigen Betreuungspersonen können ihm inzwischen ganz selbstverständlich das Brustgeschirr anlegen und mit ihm in den Auslauf gehen. Das klappt jetzt, nicht weil Marlo kein Problem hat, sondern weil er schön Schritt für Schritt lernen durfte. Weniger ist mehr!

Marlo genießt das, was kaum jemand für möglich gehalten hätte ...
... nämlich positiven Sozialkontakt mit Menschen, nicht nur mit mir.

Mir tut es im Herzen weh, wenn ich mitbekomme, dass manche Hunde "aufgegeben" werden, oder erst gar nicht begonnen wird, mit ihnen zu arbeiten, weil es sich nicht "auszahlt".

Sicher muss man bei solchen Hunden mal eine gewisse Hürde überwinden und es geht nicht so bequem und schnell wie mit anderen. Aber hat man als TrainerIn nicht genau bei solchen Hunden die Verpflichtung, sich einzusetzen bzw. Hilfe zu organisieren?

Die Erfahrung zeigt: Ist erstmal das erste Eis bei einer Person gebrochen, ist das Kennenlernen von anderen engagierten Menschen weitaus einfacher und sollte unbedingt - unter Anleitung - stattfinden. Der Aufwand ist auf alle Fälle gerechtfertigt und alle involvierten Menschen profitieren davon - der Hund sowieso.

Aus der Skepsis wurde Freundschaft.








Freitag, 10. Mai 2013

hunde in öffentlichen verkehrsmitteln - oft ein (tierschutz-)problem!

video von hund in überfüllter ubahn ...

... kurz bevor ich die handycam gezückt habe, war die ubahn getreten voll.
der hund war schon beim einsteigen extrem gestresst und hat die ganze zeit ängstlich und hektisch die ihn umringenden beine angesehen - schließlich könnte ja jederzeit jemand auf ihn drauf steigen (was sicher auch schon des öfteren passiert ist). der schwanz war die ganze zeit total eingeklemmt zwischen den hinterbeinen am bauch anliegend... (das konnte ich leider nicht filmen, eben weil es so dicht gedrängt war...)
die besitzerin bekommt davon kaum etwas mit, sie achtet überhaupt nicht auf ihren hund, passt auch nicht darauf auf, dass sich ihr eigener hund sicher fühlt.
eher im gegenteil, sie zieht den bereits völlig überforderten hund (wenigstens) am brustgeschirr zwischen den menschlichen beinen herum.
als einige menschen ausgestiegen sind und ich mit filmen begonnen habe, konnte der hund wenigstens ein bisschen durchatmen, die besitzerin steht allerdings noch immer mit dem rücken zu ihm, im zweifelsfall kann sie nicht mal sagen "passen sie auf, dass sie auf meinen hund nicht draufsteigen".
furchtbare situation aus sicht des hundes.

eine noch ärgere situation hab ich mal beobachtet, aber leider nicht gefilmt. ein pekingese sitzt bei den füßen seiner besitzerin in der ubahn. immer wenn er sich bewegt oder aufsteht, "tritt sie ihn wieder zurecht".
den ängstlichen blick des kleinhundes zu den füßen seines menschen werd ich nicht mehr vergessen. als sie dann ausgestiegen sind, war der kleine nur damit beschäftigt, allen beinen und sich bewegenden füßen möglichst auszuweichen. ein unterfangen, das ihm nicht gut gelingen kann - schließlich wird er an der leine herumgezerrt, oft genug direkt vor die füße eines menschen.

arg, was hunde alles ertragen (müssen) und noch ärger, dass nicht mehr schnapp- und beißvorfälle passieren.
wenn ich mir vorstelle, ein hund in der situation zu sein, ich würde wahrscheinlich prophyllaktisch jedem/jeder ins wadl zwicken. auf meinen menschen kann ich mich ja nicht verlassen, im gegenteil, die bringen mich ja sogar in diese misere oder verschlimmern sie durch eigene tritte sogar noch.

das fahren von öffentlichen verkehrsmitteln kann aber selbstverständlich auch anders aussehen...

trockentraining der "parkposition". zwischen den beinen verliert der hund auch bei plötzlichen stopps nicht das gleichgewicht und er ist abgeschirmt vor "auf pfote steigen" und co.

beißkorbtraining muss natürlich sein - und zwar vor dem ersten öffi-fahren. hedy ist ausgestattet und bereit.

hedys erste ubahnfahrt haben wir zu einer zeit gemacht, in der wenig los war. hedys menschen stehen dennoch abschirmend und sicherheit gebend zwischen ihr und den anderen.

hedys erste ubahnfahrt... ganz weiß sie noch nicht, was das eigentlich soll... aber wir fahren gleich mal zu einem netten gebiet zum spazierengehen, dann machts wieder sinn. :-)

in der "parkposition" fühlt hedy sich sicher und schaut auch mal, was und wer sonst noch so mitfährt.

zwischendurch gibts immer kekse, damit das alles in guter erinnerung bleibt.

weil genügend platz ist (nachdem ein paar menschen ausgestiegen sind), kann hedy auch "frei" sitzen... und wird für diese geniale idee gelobt und bekommt einen keks.

ubahnfahren... ein klacks... denkt sich hedy und marschiert gehobenen schwanzes aus der ubahn. :-)

Donnerstag, 26. April 2012

Besuch bei Tierärztin - über Unterordnungsmüll, Hunde abrichten und Hansi, dem Untoten



Hansi, früher Blacky genannt, wäre heute eigentlich schon tot. Und zwar seit dem 7.1.2011. Am Tag seiner geplanten Tötung (Beruhigungsmittel war schon im Futternapf) war es nur durch physische Intervention möglich, ihn mitnehmen zu können. Seit 1,5 Monaten lebt er jetzt fix bei mir.

Der Grund für die geplante "Euthanasie" (als ob so ein Tod "schön", "gut" oder "richtig" wär...) war die Unberechenbarkeit und Aggressivität, so wurde mir erzählt. Hansi bekam für Einsperren, Handlingsversuche, Besuche bei TierärztInnen, etc in "Betragen" nicht gerade ein "vorzüglich".

Hansi vor ca. einem Jahr im Tierheim:
Sehr unsicher, ob er Menschen,
die sich nähern, vertrauen kann.
Das kann ich grundsätzlich auch bestätigen: Hansis Reaktion auf das erste Mal Brustgeschirr anziehen war nervöses und hektisches Herumlaufen. Man muss nicht besonders viel Phantasie haben, um sich vorstellen zu können, wie Hansi sich da aufführen könnte, wenn man ihn zu etwas zwingt.

Da ich ihn aber nicht gezwungen hatte, lernte er, dass ihm nichts Schlimmes passieren wird. Anfangs war besonders in die Augen schauen (bzw nur kurzes Blicke treffen) für ihn massiv bedrohlich: Je nachdem, welche Erfahrungen er bereits mit dieser Person machen musste, ging er entweder grummelnd nach vorne oder starrte "nur" zurück - was selbstverständlich Eindruck hinterlässt.
Und zwar auf BEIDEN Seiten: Mensch zieht sich zurück und Hans denkt sich: JAWOLL, weg sind's!

Das Beißkorb-Training, inzwischen erfolgreich abgeschlossen, war auch besonders "lustig": Auf Festhalten (zum Riemen zumachen) reagierte er mit rückwärts laufen, sich aufstellen und "herumknurren"...


Eines der ersten Male, dass Hansi ein Brustgeschirr angezogen bekommt. Verwunderlich, dass das "so einfach" geht, aber für UnterordnungsfanatikerInnen anscheinend so schwierig ist, dass sein Todesurteil bereits feststand...
Inzwischen muss ich beim Anziehen längst kein Futter mehr verwenden - aber ich könnte und tu's auch hin und wieder. :-)

Doch wieso verhält sich ein Hund wie Hansi derart "unangenehm"? Wurde er "dominant, unberechenbar und aggressiv" geboren?

Die Antwort ist selbstverständlich NEIN.
Hansi ist nur absolut unverstanden und misshandelt worden, und zwar so, dass er auf ein Heben der Hand mit sich-auf-den-Rücken-werfen reagierte.

"Dominanter und aggressiver" Hansi, ganz eindeutig!
Er wurde in Unterordnung abgerichtet, um ihm zu zeigen, wo sein "Platz in der Rangordnung" (die es nicht mal zwischen Hunden gibt - wieso dann zwischen Mensch und Hund?) ist - Sitz, Platz, Bleib, Fuss, Aus, Pfui Laut.

Das alles mit körperlicher Strafe - Leinenruck, Schlagen und co - (bzw. die Androhung davon - Anschreien, Drohfixieren) und Zwangsmaßnahmen (Fangleine...).

Obwohl das für JEDEN Hund dieselbe tierquälerische Tortur ist, geben zum Glück (oder leider?!) wohl die meisten Hunde nach... und "funktionieren". Sonst gäbe es viel mehr Unfälle, wenn man sich die Methoden auf Hundeplätzen und manch anderer Leute so ansieht...

Hansi lernte also, wie er sich erfolgreich zur Wehr setzen kann - reine Selbstverteidigung. Aggressionsverhalten funktioniert Menschen gegenüber meist "recht gut", weshalb sich aus seiner Sicht schnell Erfolge einstellten und er endlich seine Ruhe hatte.


Nach dem Impfen heute :-)
Heute war ich mit Baghira, Nömsi und Hansi bei der Tierärztin (http://www.tierphysio-rodaun.at/, sehr zu empfehlen) impfen.
Mit Hansi, dem Untoten, war die Prozedur selbstverständlich vorsichtiger, als bei den anderen beiden, hat aber wunderbar - ohne großartige aggressive Ausrutscher - funktioniert.

Unberechenbar? Dominant? Ist Hansi ein anderer Hund durch die Namensänderung?

Genau das macht MICH inzwischen ziemlich aggressiv...

Hansi ist kein Einzelfall, meine gewaltfrei arbeitenden KollegInnen und ich vollbringen keine Wunder, die andere Menschen niemals schaffen können.

Wir nehmen Rücksicht auf das, was Hunde uns durch ihr Ausdrucksverhalten mitteilen, geben ihnen Vertrauen und Sicherheit und arbeiten mit ihnen gewaltfrei und belohnungsbasiert, unter Berücksichtigung von lerntheoretischen Grundlagen.

WAS IST DARAN SO SCHWER?


Dienstag, 24. April 2012

Illegale Elektroreizgeräte für Hundeausbildung in Wiener Onlineshop erhältlich

Die Tierschutzstiftung deckt auf: Ein österreichischer Onlineshop für Hundebedarf mit Sitz auf der Mariahilferstraße verkauft illegale Trainingshilfsmittel wie z.B.
Elektroreizgeräte. Das österreichische Tierschutzgesetz verbietet in
§5 nicht nur die Anwendung, sondern auch das In-Verkehr-Bringen, den
Erwerb und den Besitz dieser Geräte. Die Tierschutzstiftung erstattet
Anzeige wegen Tierquälerei.



Elektroreizgeräte versetzen dem Hund bei unerwünschtem Verhalten
einen Stromstoß mittels Fernbedienung. "Diese auf Strafe basierende
Methode im Hundetraining widerspricht dem österreichischen
Tierschutzgesetz und ist eindeutig Tierquälerei.", sagt die
Gerichtssachverständige und Verhaltensbiologin Ursula Aigner.
Veraltete Methoden, die mittels Strafe den Hund zu einem
bestimmten Verhalten zwingen, sind außerdem auch laut neuer
Hundeausbildungsverordnung des für Tierschutz zuständigen
Bundesministeriums für Gesundheit durch gewaltfreie Maßnahmen mittels
Motivation und Belohnung zu ersetzen.

Dennoch sind illegale "Hilfsmittel" wie Elektroschocker nach wie
vor in der Hundeausbildung und im Hunde'sport' im Einsatz und im
Onlinehandel leicht erhältlich. Alexander Willer, Kampagnenleiter der
Tierschutzstiftung: "Leider ist das Ziel vieler HundeausbildnerInnen
und HundehalterInnen nach wie vor der 'Kommandoempfänger Hund', der
immer und überall funktionieren muss. Hunde sind fühlende Lebewesen,
sie haben ein Recht auf einen respektvollen und vor allem
gewaltfreien Umgang."

"Sicheres und harmonisches Zusammenleben erreicht man nicht durch
militärischen Drill, sondern durch Training mit Motivation und
Belohnung. Gewalt kann irgendwann Gegengewalt seitens des Hundes
bewirken", schließt Verhaltensbiologin Aigner.

Die Tierschutzstiftung fordert im Sinne des Tierschutzes und der
Sicherheit absolute Gewaltfreiheit im Hundetraining!

Mittwoch, 3. August 2011

Schluss mit privater Schutzhundeausbildung!

fotografiert von Ursula Aigner

Früher mussten Hunde diverse „Zwecke“ erfüllen, wie Bewachen oder Beschützen. Heute werden Hunde zum Glück als Freunde und Familienmitglieder betrachtet, die sich sehr eng an ihre Menschen binden. Anders in der so genannten Schutzhundeausbildung, wo sie darauf abgerichtet werden, Menschen zu beißen. Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN veröffentlicht heute ein Undercover-Video, das dieses Scharfmachen zeigt und erstattet Anzeige wegen Tierquälerei.


In diesem Video ist das Schutzhundetraining des Vereins „IG-HS“ (Interessensgemeinschaft Hundesport) aus Möllersdorf (NÖ) zu sehen. Unter Anleitung von Schutzhundesport-Weltmeisterin Renate L. werden Hunde durch brutale Zwangs- und Strafmethoden - Anschreien, Leinenrucken, illegaler Einsatz von Stachelhalsband und Elektroschocks - abgerichtet. Renate L. ist auch Teilnehmerin des Kynologie-Lehrgangs der Veterinärmedizinischen Universität. „Dass diese Tierquälerin als ‚akademisch geprüfte Kynologin’ abschließen soll, ist aus Tierschutzsicht äußerst bedenklich“, meint Johanna Stadler, Geschäftsführerin von VIER PFOTEN.

Das Österreichische Tierschutzgesetz verbietet aggressionsfördernde Maßnahmen, laut Wiener Tierhaltegesetz und der Diensthunde-Ausbildungsverordnung dürfen nur Diensthunde der Sicherheitsexekutive und des Bundesheeres eine Schutzhundeausbildung absolvieren. Dass derartiges Training vielfach auch von Privatpersonen an deren Hunden durchgeführt wird, ist nur wenigen Menschen bewusst. Im Namen unterschiedlicher Schutzhundesportarten werden Einsatzszenarien der Polizei nachgestellt. Was als „Beutetrieb“ verharmlost wird, kann Hunde zur gefährlichen Waffe machen – ein erwünschter Effekt in der Diensthundeausbildung.

„Um schnell zu Erfolgen zu kommen, insbesondere, um den beißenden Hund zum Auslassen zu bewegen, werden körperliche Strafen eingesetzt, wie schmerzhaftes Reißen an Kettenwürgern, auf die Zehen treten oder in die Ohren des Hundes kneifen.“, so Johanna Stadler. Deutlich im Video erkennbar: Selbst vor in Österreich verbotenen Ausbildungshilfen wird nicht zurückgeschreckt: Stachelhalsband (eine auf Zug immer enger werdende Stahlkette mit nach innen gerichteten Stacheln) und Elektroreizgeräte (Halsband, das auf Knopfdruck dem Hund einen Stromstoß gibt).

Dies steht im absoluten Widerspruch zu einer freundschaftlichen und respektvollen Mensch-Hund-Beziehung und ist auch aus Gründen der Sicherheit abzulehnen. „Diese Tierquälerei im Hundesport muss endlich ein Ende haben. Wir fordern ein generelles und ausdrückliches Verbot solcher brutalen Abrichtemethoden“, so Stadler abschließend.


Donnerstag, 17. März 2011

Der Österreichische Jagdgebrauchshundeverband (ÖJGV) und seine „tierschutzqualifizierten HundetrainerInnen“ – Ein weiterer Grund, der gegen die Jagd spricht

Es ist erschreckend – immer wieder – feststellen zu müssen, dass ein Großteil der zukünfig als „tierschutzqualifiziert“ bezeichneten TrainerInnen sich offenbar noch im „Mittelalter“ bezüglich Hundeverhalten und –training befinden. Dies zeigt sich unverhüllt und deutlich in der „Stellungnahme des ÖJGV zur HundeausbildungsVO“ auf der HP des ÖJGV.



Zitat der Stellungnahme:
Eine Jagdhundeausbildung auf einem Hundeausbildungsplatz ist nicht möglich, da an einen Jagdhund andere Anforderungen für seinen Einsatz gestellt werden, als für einen Begleithund. Er muss an die vielen Eindrücke in der Natur, an die Begegnung mit Wild behutsam herangeführt werden und dabei den für jeden Jagdhund wichtigen Einsatz und Gebrauch seiner überragenden Nase lernen.

Es ist unklar, was mit damit ausgesagt werden soll. Alle Hunde, aber gerade auch „Begleithunde“, müssen mit den unterschiedlichsten Umwelteindrücken zurecht kommen. Auch das Alltagsleben stellt viele Herausforderungen an Hunde, insofern steht einer Jagdhundeausbildung kein Sonderstatus zu. Tierschutzgerechtes Training – und damit Umgang – findet immer nur zu einem kleinen Teil auf einem Hundeplatz statt und sollte in den Alltag eingebaut werden.

Zitat der Stellungnahme:
Wir gehen hier davon aus, dass grundsätzlich im größtmöglichen Ausmaß mittels positiver Verstärkung in der Ausbildung gearbeitet werden soll, jedoch auch viele Hunde bereits Verhaltensfehler aufweisen, wenn diese zur Ausbildung kommen.

Bei hundlichem Verhalten, das aus menschlicher Sicht möglicherweise inadäquat ist, von Verhaltensfehlern zu sprechen, zeugt von enormen Einfühlungs- und Wissenslücken. Die negative Färbung durch das Wort „Fehler“ erlaubt den JagdhundetrainerInnen letztendlich, Maßnahmen zur Verhaltenskorrektur einzusetzen. Im Übrigen ist es gerade bei „verhaltensauffälligen“ Hunden niemals angebracht, Fehlverhalten durch Strafreize zu unterbinden; Derartiges Training kaschiert bestenfalls Symptome, verändert aber nichts an der Ursache und macht Vieles noch schlimmer.
Egal, in welchem Umfeld oder für welchen „Zweck“ ein Hund trainiert wird, es sollte ausnahmslos ohne psychische oder physische Strafreize mit Hunden umgegangen werden.

Zitat der Stellungnahme:
Weiters darf in diesem Zusammenhang auch auf das Rudelverhalten des Hundes hingewiesen werden und diesem ist auch bei der Ausbildung entsprechend Rechnung zu tragen. Auch dort wird das Fehlverhalten eines Rudelmitgliedes vom Alphahund mit Bestimmtheit und einem gewissen Maß an Strenge korrigiert.

Und hier wird auch gleich die Art und Weise der Korrektur erklärt, mit dem Hinweis auf das Rudelverhalten. Diese wissenschaflich unkorrekte, veraltete und völlig falsche Rangordnungstheorie über hundliches Verhalten soll augenscheinlich den Einsatz von mitunter massiven Einschüchterungs- und Strafmaßnahmen rechtfertigen. Ein gewisses Maß an Strenge lässt Unschönes – und Tierschutzrelevantes – erahnen.

Zitat der Stellungnahme:
Stresssituation sollten sehr wohl trainiert werden, damit der Hund dann diesen Anforderungen in der täglichen Praxis gerecht wird

Selbstverständlich sollen Hunde an potenzielle Stresssituationen herangeführt werden; Aber behutsam und nicht überfordernd. Auch diese Formulierung hinterlässt einen unangenehmen Nachgeschmack.

Zitat der Stellungnahme:
Für Hundetrainer, die Jagdhunde ausbilden, ist eine gültige Jagdkarte als eine zusätzliche Voraussetzung vorzusehen, da während der Ausbildung zahlreiche jagdliche Tätigkeiten (z.B. Schussabgabe mit Jagdgewehr zur Wesensfeststellung, etc.) durchzuführen sind.

Diese Art der Wesensfeststellung ist in höchstem Maße tierschutzrelevant. Hier werden Hunde bewusst in starke Angst versetzt. Es ist inzwischen erwiesen, dass „Schussfestigkeit“ auch auf andere Art und Weise erreicht werden kann, daher muss dies die Methode der Wahl sein: beispielsweise systematische Desensibilisierung.

Zitat der Stellungnahme:
Sollte der Hundetrainer von Jagdhunden keine gültige Jagdkarte besitzen, so kann er seiner Aufgabenstellung nicht nachkommen.

Offenbar gibt es einen „Jägermangel“, wenn HundetrainerInnen dazu gezwungen werden sollen, eine Jagdkarte zu besitzen.

Zitat der Stellungnahme:
Abzuklären ist auch die Vorgangsweise bei der Ausbildung von Hunden welche im Besitze von juristischen Personen stehen. Es muss möglich sein, dass Bedienstete dieser Eigentümer (Forst- und Jagdbetriebe etc.) auch ohne Qualifikation zum Hundetrainer die Abrichtung und Ausbildung dieser Hunde durchführen dürfen.

Personen, die keine fachliche Ausbildung nach modernen und belohnungsbasierten Trainingsmethoden vorweisen können, sollen durch kein Schlupfloch letztendlich doch berechtigt sein, Hunde ausbilden zu dürfen. Ein Autohändler muss auch den KFZ-Führerschein machen, wenn er Auto fahren möchte.

Zitat der Stellungnahme:
Es sollte die gesamte 2jährige Ausbildungszeit mit 150 Stunden normiert werden. Eine Aufteilung in rund zwei Drittel Praxisstunden und ein Drittel Theoriestunden wäre vorzusehen.

Dies würde eine massive Kürzung der Ausbildung darstellen, vor allem die theoretischen Grundlagen könnten so nur unzureichend vermittelt werden. Ohne diese ist tierschutzqualifiziertes Training in der Praxis nicht möglich.

Zitat der Stellungnahme:
Die verpflichtende Fortbildung alle zwei Jahre dürfte im Jagdhundebereich nicht zu realisieren sein. Es sollten auch praktische Fortbildungen anerkannt werden können. Ein ruhen der Trainertätigkeit, bis zur Wiedererlangung des Fortbildungsstatus, sollte ermöglicht werden.

Das bedeutet wohl, dass es gerade im Bereich der Jagdhundeausbildung sehr viel nachzuholen gibt. Alle zwei Jahre eine Fortbildung muss möglich sein, schließlich ist das Training eines Jagdhundes nicht notwendigerweise an eine tatsächliche Jagd gebunden.



Alles in Allem bin ich einigermaßen schockiert über die Offenheit, wie hier Minderqualifikationen und tierschutzrelevante Methoden gefordert bzw. gerechtfertigt werden.

Es ist an der Zeit, auch die jagdliche Hundeausbildung kritisch zu hinterfragen und nicht weiter - „ganz heimlich still im Walde“ - Hunde durch Maßnahmen mit einer gewissen Strenge zum „Gehorsam“ zu zwingen!

Alle „tierschutzqualifizierten HundetrainerInnen“ sollten gemäß des Tierschutzgesetzes handeln müssen – ohne Ausnahme. Schließlich ist auch ein „Jagdhund“ ein „normaler“ Hund, der ein Recht auf fairen Umgang hat.