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Mittwoch, 25. September 2013

Mein "untoter" Hund und sein "Gehirntumor"

Seit März 2012 lebt Rotti-Schäfer-Mix Heinzi (um keine Verwirrung zu stiften: Heinzi = Hannes = Hans Black = Blacky) in unserer "wilden WG".

Heinzi hat deshalb auch den Beinamen "Untoter", weil er Anfang 2011 hätte getötet werden sollen, und zwar in einem Tierheim. Begründung: Gehirntumor, weil der Hund unberechenbar sei und auch schwer gebissen hat. Zumindest sei er einfach bösartig.

[Genaueres zu Heinzis "Abrichtevergangenheit", die ihn zu dem gemacht hat, was er heute ist und seinen Entwicklungen findet Ihr hier:
http://canissapiens-hundetraining.blogspot.co.at/2012/04/besuch-bei-tierarztin-uber.html
http://canissapiens-hundetraining.blogspot.co.at/2012/05/aggression-weshalb-unterordnunggehorsam.html
http://canissapiens-hundetraining.blogspot.co.at/2013/03/hannes-lebt-seit-einem-jahr-bei-uns.html]

Heinzi (und seinem Gehirntumor :-) ) geht es inzwischen sehr gut. Die vermeintliche Unberechenbarkeit, die sich laut TierheimmitarbeiterInnen unter anderem dadurch gezeigt haben soll, dass Heinzi sich auf den Rücken wirft, dann aber auf Streicheln mit Aufspringen und Knurren reagiert, soll also deutliches Zeichen eines Gehirntumors sein. Der Amtstierarzt war sich seiner Sache sehr sicher, denn er wollte Heinzis Lebensrettung mit allen Mitteln verhindern.

Äääähhhhm, tja, was soll ich da als Hundetrainerin sagen???
Vielleicht war dieses auf den Rücken werfen keine Einladung zum Streicheln, sondern submissives Verhalten?
Vielleicht wollte er sogar wirklich gestreichelt werden, die Grenze, wann es ihm genug an Nähe ist, wurde aber nicht (an-)erkannt.

Ich kann mir durchaus beides vorstellen.
Einerseits wurde mir erzählt, wie sich Heinzi noch im Tierheim lebend beim Heben einer Hand demütig auf den Rücken fallen ließ.
Andererseits ist Heinzi ein absolut liebenswerter Schmuser, der sich dadurch aber in Situationen bringt, die ihm dann doch unheimlich oder zuviel sein können - je nachdem, wie gut er die Menschen kennt bzw. wie gut die Menschen auf sein Ausdrucksverhalten achten (bzw. es überhaupt lesen können).

3-4 Mal seit Heinzi bei mir lebt, konnte ich mit eigenen Augen sehen, wie er sich von einer ihm bekannten Person streicheln lässt, dann aber plötzlich aufspringt und knurrt. Er ließ sich immer durch ein nettes "Heinzi, komm da her" von mir abrufen und zeigte im Anschluss kein problematisches Verhalten. In jedem Fall lehnte sich die Person entweder leicht über ihn, blickte ihm in die Augen oder reagierte auf Heinzis Beschwichtigungsverhalten (Nase lecken, Schlucken) nicht adäquat - nämlich mit Streicheln aufhören!!!
[Ich lasse Heinzi selbstverständlich an sich von niemandem einfach so streicheln]

Wenn Heinzi heute von geliebten Menschen gestreichelt wird, sieht er so aus: :-)


Flathead Heinzi hat keinen Grund zu beschwichtigen, denn er hat gelernt, manchen Menschen auch zu vertrauen.

"Ich bin sooooo lieb", sagt Heinzi vertrauensvoll. Denn er kann sich darauf verlassen, dass er nicht mit Nähe überfordert wird.

Aber das Zusammenleben mit Heinzi ist anders, als mit einem "normalen" Hund (gibt es so einen?).
Leider hat er in seiner dunklen Vergangenheit vor allem in Konflikt- oder Stresssituationen gelernt, dass ihm Aggressionsverhalten eine Erleichterung bringt. Danke an alle Rangordnungs- und DominanzfanatikerInnen, die auf absoluten Gehorsam und Hunde abrichten stehen:

Ihr habt Heinzi zu dem gemacht, was er heute ist: Ein schnell gestresstes Nervenbündel, in dessen Kopf Aggressionsverhalten überrepräsentiert ist.

Aber auch das ist bereits kein Vergleich mehr zur Anfangszeit bei mir (subjektiv ist frau ja immer kritischer, objektive Aufzeichnungen belegen die Fortschritte :-)). Heinzi ist auch beim Besuch fremder Menschen lenkbar [selbstverständlich mit Sicherheitsmaßnahmen], ist schon U-Bahn gefahren und kommt überhaupt mit seinem Leben viel besser klar...

UND: Heinzi ist einer der besten Lehrmeister, den sich eine Hundetrainerin wünschen kann. :-)





Samstag, 30. März 2013

Aggression und "Red Zone"-Hunde


Hunde, die Aggressionsverhalten gegenüber Menschen oder anderen Hunden (generell Lebewesen) zeigen, machen uns Angst. Im Gegensatz zu manch anderen – für Menschen problematischen – Verhaltensweisen ist hier unmittelbarer Handlungsbedarf.
Darüber herrscht soweit mal Einigkeit; was man von den „Behandlungsmethoden“ nicht gerade sagen kann: von – in Österreich illegalen – Trainingsutensilien wie Teletakt und Stachelhalsband über Leinenruck und anderen gegen das Österreichische Tierschutzgesetz verstoßende Korrekturen bis hin zum gewaltfreien Training mit Leckerlis und co ist alles vertreten.

Inzwischen gibt es genügend Erkenntnisse über das Ausdrucks- und Lernverhalten, hundliche Bedürfnisse und Sozialverhalten, die beweisen, dass ein Training von Hunden, das auf Korrekturen und Bestrafung aufbaut, einen Hund weder „sicher“ macht noch tierschutzgerecht ist. Einige Argumente habe ich bereits in vergangenen Posts thematisiert (selbstverständlich kein Anspruch auf Vollständigkeit!):


Trotzdem erscheint es jedoch für viele Menschen logisch, einen Hund insbesondere für aggressives Verhalten zu bestrafen oder zu korrigieren, ihm deutlich zu zeigen, dass sein Verhalten unangemessen ist. Veraltete und überholte Rangordnungs- und Dominanztheorien untermauern dieses Vorgehen.

Medial, vor allem im Fernsehen, sind Beiträge beliebt, die sich mit der „Behandlung“ von Aggressionsverhalten befassen. Teilweise spektakuläre Maßnahmen, wie den Hund auf den Boden drücken bis er aufgibt, und weniger auffällige Korrekturen wie Leinenrucke, Tritte oder anderweitige Androhungen unangenehmer Konsequenzen erreichen viele ZuseherInnen. Und zum Leidtragen der Hunde (und der Sicherheit!) gibt es inzwischen auch viele NachahmerInnen. Der amerikanische Hundeflüsterer Cesar Millan ist der wohl bekannteste Anwender dieser tierquälerischen Methoden.

Hier ein vor kurzem erschienenes Interview einer Österreichischen Zeitung über die Gefahren und Tierschutzrelevanz von Cesar Millan und co:



Gerade Aggressionsverhalten erfordert also keine aversiven Trainingsmethoden (auch keine psychischen Bedrohungen „Wehe wenn du das tust“, „Nein“, Zischlaute aller Art), sondern Management (auslösende Situationen verhindern oder sinnvolle „Schadensbegrenzung“) und gezieltes Training durch positive Verstärkung (abseits der Abklärung möglicher gesundheitlicher Ursachen, Stressreduktion, klare Strukturen, Veränderungen im Tagesablauf, etc). Weder psychische noch physische Gewalt führt zu Hunden, die für ihre Umwelt keine Gefahr (mehr) darstellen.

Doch was ist mit diesen „Red Zone“-Hunden, die Cesar Millan meist innerhalb „kurzer Zeit rehabilitiert"? Die sind doch „wirklich aggressiv“ und „absolut gefährlich“, Ausnahmehunde in Punkto Aggressivität, die eine Trainerin wie ich und viele meiner KollegInnen noch nie live gesehen haben. Cesar rettet Hunde vor dem Einschläfern – ein Held?
Nein. Auch andere HundetrainerInnen retten Hunden das Leben, arbeiten aber gewaltfrei und belohnungsbasiert, mich eingeschlossen. Zahlreiche ExpertInnen warnen außerdem vor dem Training mittels Strafe und Korrekturen.
Ein weiterer Fehler in dieser Herangehensweise besteht vor allem auch darin, dass das Aggressionsverhalten überhaupt ausgelöst wird, um es dann bestenfalls zu unterdrücken. Eine sinnvolle, tierschutzkonforme und sichere Verhaltensänderung findet hier nicht statt. Fast jeder Hund kann zu einem „Red Zone“-Hund werden, wenn er für sein Ausdrucksverhalten bestraft und/oder massiv körperlich "bedrängt" wird (ein Tritt in die Flanken ist übrigens kein Aufmerksamkeitssignal wie ein menschliches auf die Schultern tippen, was auch niemals Aggressionsverhalten unterbrechen könnte!).

Gutes Training von Aggressionsproblemen behandelt die Ursachen: die Assoziationen der Hunde werden positiv verändert und der Hund lernt eine adäquate Verhaltensalternative. Das sieht dann wenig spektakulär aus. Auch bei „Red Zone“-Hunden.

Gerade heute hatte ich einen Hund im Training, den "sogar" Cesar Millan als „Red Zone“-Hund bezeichnen würde: Dämon (er wird Dämi gerufen), ein kastrierter Pitbull-Rüde, hat andere Hunde bereits mehrfach gebissen und einen sogar getötet (auch VertreterInnen anderer Rassen, die eine ähnliche Geschichte haben, sind bei mir im Training). Menschen gegenüber ist Dämon sehr freundlich, obwohl er bestimmt in der Vergangenheit vom Vorbesitzer körperlich bestraft wurde. Sein jetziger Besitzer erzählte mir im Erstgespräch, dass Dämon lange Zeit bei schnellen Bewegungen zusammenzuckte.
Der Hund hat Glück, sein Mensch ist ein Naturtalent. Nach nur zwei Theorieeinheiten (auch für den NÖ-Sachkundenachweis) inkl. Videobeispielen konnten wir die erste Praxisstunde erfolgreich abschließen: mittels positiver Verstärkung (hier mit Clicker) verändern sich Dämons Assoziationen anderen Hunden gegenüber und er lernt ein adäquates Alternativverhalten. Ausschlaggebend für den Erfolg war, dass wir Dämon nie in die Situation führten, die Aggressionsverhalten auslöst.
Die Prognose ist gut und ich bin zuversichtlich, dass wir die Distanz zu anderen Hunden bald verringern können, denn der Besitzer trainiert auch im Alltag ganz bewusst mit dem Hund, hat viel Einfühlungsvermögen und Empathie. Ziel ist es, dass man Dämon sicher an anderen Hunden in angemessenem Abstand vorbeiführen kann und dass er generell ansprechbar und damit kontrollierbar bleibt. Dämon trägt ein Brustgeschirr (an dem auch die Leine befestigt ist), wird „mit Leckerlis belohnt“ und ist mit Beißkorb gesichert.

Die 2. Praxiseinheit und es klappt schon wunderbar:



(Im Training von Hund-Hund-Aggression ist mir übrigens auch wichtig, dass der hundliche Trainingspartner, in dem Fall „mein“ Nemo, auch Spass daran hat – an der Leine gehen kann und soll ja auch lustig sein.)


Montag, 11. März 2013

Hannes lebt... seit einem Jahr bei uns!



Rottweiler-Mischling Hannes lebt. 
Da er erst ca. 4 Jahre alt und „pumperlgsund“ ist, sollte das eigentlich nicht verwundern...
Dennoch ist es so, dass Hänschen seit 7.1.2011 eigentlich schon tot wäre. Er ist also ein Untoter sozusagen. 



Wie das???
Er ist einer der drei Hunde, die ich um den Jahreswechsel 2010/2011 vor der ungerechtfertigten Euthanasie (was für ein widerliches Wort in dem Zusammenhang) retten konnte. 
Alle haben unterschiedliche Geschichten, aber eine Gemeinsamkeit: sie wurden schlecht behandelt, ihre Zeichen wurden nicht verstanden und galten als gefährlich.


Hier ist die Geschichte von Spider, der nach wie vor eine neue Familie sucht, er hätte es sich so verdient:

Susi, die Dritte im Bunde, wartet auch noch sehnsüchtig:


Aber kommen wir wieder zurück zu Hänschen klein, ehemals Blacky. Er wurde durch Gehorsamsfanatiker der alten Schule verhaut, im wahrsten Sinne. 

Sprüche (und deren Umsetzung) wie „Dem muss man mal zeigen, wer der Herr ist“, „Der ist dominant und gehört untergeordnet“, „Der muss parieren“, … haben ihn nicht zu einem folgsamen und schon gar nicht zu seinem sozial sicheren Hund gemacht:
In einem österreichischen Tierheim wurde ihm das Fürchten vor Menschen gelehrt... 
Was leider bei so vielen Hunden funktioniert (Stichwort „erlernte Hilflosigkeit“), klappt bei einigen Wenigen nicht – Hannes ist einer von ihnen. Und ich bin „stolz“ auf ihn, dass er sich nicht alles hat gefallen lassen, sondern gelernt hat, sich zur Wehr zu setzen, auch wenn es ihm fast das Leben gekostet hätte (und ich auch im Alltag sehr auf ihn aufpassen muss).

Hier seine Geschichte und grundlegende Informationen über hundliches Lernverhalten zum Nachlesen in vergangenen Posts:

Gestern vor genau einem Jahr ist er in unsere WG eingezogen; 
zu Baghira, Nemo, Leila, Linus (der uns leider am 20.1.2013 aufgrund eines Tumors im hohen Alter verlassen hat ;-( --> Linus, wir vermissen dich unendlich!) und mir.

Es war und ist eine Herausforderung, mit 3 (mitunter "schwierigen") Hunden zusammenzuleben und für sie alleine verantwortlich zu sein, aber ich möchte keinen Tag missen.

Danke, Baghira, Nemo und Hänschen, dass ich so viel von euch lernen darf!






Sonntag, 10. März 2013

Was tun, wenn sich der Hund nicht von gefundenem Essbaren abrufen lässt?



Hunde, insbesondere Angehörige der Rasse Labrador Retriever, können sehr „verfressen“ sein. Das ist ja grundsätzlich nichts Schlechtes, im Gegenteil, sogar erwünscht...
Camillo, der aus Frust leinenaggressiv reagiert, lernt zum Beispiel über gezielte Belohnung mit Futter, dass er nicht jeden Hund begrüßen muss und die ganze Aufregung eigentlich eh „für nix“ ist (über Desensibilisierung, Gegenkonditionierung und Alternativverhalten). Insofern ist ein Hund, der mit Essbarem gut motivierbar ist, im gewaltfreien und belohnungsbasierten Training wirklich sehr angenehm. 



Dennoch gibt es Situationen im Zusammenhang mit Essbarem, in denen mensch das Gefühl hat, der Hund „gehorcht“ nicht... schlimmer sogar, „der verarscht dich!“, würden wohl so manch Unwissende behaupten...




Ein wunderschönes Beispiel ist Camillos „Komposthaufen-Problem“: Intelligent wie er ist, hat er inzwischen sehr gut gelernt, dass Frauerl ab einer gewissen Distanz zu ihm keine Einwirkung mehr hat. So läuft er dann ungehindert (wenns sein muss mehrere hunderte Meter) zum geliebten Komposthaufen. Und das unter Umständen mit einem „Tut mir leid Frauchen, ich muss noch was erledigen“-Blick kurz vorm Durchstarten.

Ärgerlich, oder?
Eigentlich nicht. Camillo macht das, was ein Hund eben so tut: Den Spaziergang auch zur Suche nach Essbarem nutzen. Wie schon erwähnt, im – vom Menschen gezielten Training – ja ein durchaus erwünschter Effekt.

Was also tun?
Dem Ärger freien Lauf lassen und den Hund versuchen durch Schimpfen, Nachlaufen, In den Weg stellen, Einfangen, Bestrafen,... vom „Fehlverhalten“ abhalten (oder sogar danach bestrafen)? Damit läuft Mensch jedoch Gefahr, das „Wettrüsten“ zu verlieren: Der immer ärgerlicher werdende Mensch schimpft und bestraft immer intensiver und lauter, der Hund lernt mehr und mehr, sich der Einwirkung zu entziehen oder sogar eine Strafe in Kauf zu nehmen für ein paar herzhafte Bissen.

Da die meisten Menschen mit einem frei laufenden Hund spazieren gehen möchten, ist der erste Schritt (Level 1) zur Besserung nicht immer einfach: Anleinen, um das „Fehlverhalten“ zu verhindern.

Level 2 wäre, dass der Hund losgelöst von der „Komposthaufen-Situation“ - im Trockentraining sozusagen – erstmal im Sitzen bzw. Stehen lernt, dass Essbares am Boden bedeutet, dass er von Frauchen/Herrchen etwas Besseres bekommt.

Kann der Hund das schon gut, kann damit begonnen werden, Level 3 anzugehen: Wenn der Hund sich beim Anblick von Futter am Boden erwartungsvoll zu Frauchen/Herrchen dreht, geht die/der BesitzerIn einen Schritt vom Futter weg, bevor der Hund belohnt wird.

Klappt das ohne den Hund an der Leine zu ziehen, wäre Level 4, den Hund zu belohnen, nachdem man gemeinsam einen Schritt zur Seite macht.

Level 5, wenn alles ohne Leinenspannung funktioniert, kann man einen Schritt auf das Futter am Boden vor der Belohnung zugehen. 

Camillo kann das schon gut: 

https://www.facebook.com/media/set/?set=a.486224968104213.1073741825.126524544074259&type=1

http://www.canissapiens-hundetraining.blogspot.co.at/2012/03/videos-vom-heutigen-lernspaziergang-mit.html

Wenn das alles störungsfrei klappt, das heißt, der Hund schaut zum Futter am Boden und bleibt ohne die Hilfe der Leine beim Menschen, kann begonnen werden, noch mehr Bewegung reinzubringen, die Wertigkeit des Futters am Boden zu erhöhen, möglichst reale Situationen nachstellen etc...

Natürlich ist diese Anleitung nur eine von vielen, Hunden schrittweise beizubringen, dass Frauchen/Herrchen immer – zumindest meistens – Besseres zu bieten haben.

Hauptsache: Keine Strafen, kein Bedrohen, die Trainingssituation so planen, dass der Hund Erfolg hat und Alltagssituationen – vorübergehend – so managen, dass das unerwünschte Verhalten nicht belohnt wird.

Und immer bedenken: Hunde lernen immer, nicht nur, wenn wir Menschen gerade trainieren wollen... :-)

Dienstag, 15. Mai 2012

Aggression? Weshalb Unterordnung/Gehorsam der falsche Weg ist...

Das Aggressionsverhalten von Hunden... hört sich schon gefährlich an, oder? Ich denke, es gibt kaum eine Verhaltensweise von Hunden, die derart fehlinterpretiert wird.
Aggressive Kommunikation (siehe Grafik Eskalationsstufen) ist jedoch hundliches Normalverhalten und dient einem Zweck: Distanzvergrößerung. 


Die Kommunikation beginnt ganz unten, je nachdem wie stark sich der Hund in einer Situation bedroht fühlt, werden die Stufen aufsteigend "beschritten".
Der grüne Bereich zeigt an, dass dem Hund etwas bereits unangenehm ist, er jedoch mit der Situation so weit umgehen kann. Wird die Situation jedoch nicht verändert, bzw steigt die Bedrohung aus Sicht des Hundes, wird der gelbe Bereich erreicht. Hier fühlt sich der Hund mehr und mehr bedrängt, zeigt bereits Stressreaktionen. Die Bedrohung hält an bzw wird schlimmer? --> die rote Zone wird erreicht. Ein Hund in diesem Bereich macht sich bereit, sich zu verteidigen. Ein Biss erfolgt aber erst als letztmögliche Handlungsalternative.

Es ist individuell unterschiedlich (Genetik, Sozialisation und Lernerfahrungen), mit welchen Situationen ein Hund noch umgehen kann und in welchen er sich bereits bedrängt oder bedroht fühlt. 

Manche Hunde haben derart schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht (und/oder es wurde in ihrer Frühentwicklung die wichtige Phase der Sozialisation verpasst), dass sie unbekannte, sich schnell bewegende, laute... Menschen furchterregend und beängstigend empfinden. Ein schnelles geradliniges Vorbeigehen einer unbekannten Person kann hier schon Verbellen und/oder Knurren und/oder Hinschnappen auslösen. 

Dies ist selbstverständlich ein Zustand, der verändert werden muss! Leider ist es für HundebesitzerInnen nicht einfach, aus dem verwirrenden Angebot an Hundeschulen und -TrainerInnen das "Richtige" auszuwählen. Es kann fatale Folgen haben, wenn das Training darauf beruht, den Hund zu dominieren, er als Befehlsempfänger degradiert wird und rein über Gehorsam/Unterordnung gearbeitet wird - ganz abgesehen von der Tierschutzrelevanz dieser Methoden. 

Meistens werden deutlich wahrnehmbare Signale wie Bellen, Knurren, Hinspringen, Schnappen, ... bestraft bzw. korrigiert, woraufhin sich der Hund bestenfalls vorübergehend einschüchtern lässt und "gehorcht". Denn was lernt der Hund bei dieser "Behandlung"? Dass andere Menschen (Kinder, andere Hunde, Autos, welche Reize auch immer den Hund ängstigen) bewirken, dass er bestraft und somit noch mehr geängstigt wird UND die deutlichen Warnstufen wie Bellen, Knurren, etc einfach überspringt... und gleich beißt.
Derartiges - leider noch immer gängiges - Training ist die perfekte Anleitung zu "Wie mache ich aus meinem Hund einen Angstbeißer, der ohne Vorwarnung zupackt?" und produziert tickende Zeitbomben, die irgendwann "explodieren" (müssen). 

Was passiert schlussendlich mit solchen Hunden, denen Unberechenbarkeit und "Bösartigkeit" unbewusst, aber gezielt beigebracht wurde? Sie werden getötet. 
Ich musste bereits mehrere Hunde kennen lernen, die jetzt nicht mehr leben, weil sie "euthanasiert" (guter Tod???) wurden...An den Hunden lag's nicht, die wären über Training mit Verstand, das auch funktioniert, froh gewesen... an den Menschen scheitert's - wie so oft.
Allesamt wurden sie verhaut durch Dominanz- und RangordnungsfanatikerInnen, die weder von modernem, gewaltfreiem und positivem Training noch vom Ausdrucksverhalten von Hunden eine Ahnung haben. Aber Unterordnen und "Gehorsam" einfordern, das können sie. Ihnen hilflos ausgelieferte Lebewesen zeigen, wer "der Herr im Haus" ist. Und am Lebensende des Hundes dann wahrscheinlich sagen: "Der Hund ist einfach dominant und aggressiv, da kann man nix machen...". 


Hansi, Baghira, Nemo und ich...

Diesen Satz habe ich auch vor einiger Zeit von Hansi gehört. Achja, unberechenbar war er auch. Merkwürdig, dass er das bei mir nicht (mehr) ist. Hansi hatte Glück, er kann jetzt bei mir wohnen und integriert sich sowohl in die hundliche als auch in die menschliche Gesellschaft vorbildlich. Wunder? Ausnahme? NEIN!

Auch die Schäferhündin in diesem Video hatte Glück und kam nicht zu Unterordnungs- und DominanztrainerInnen, sondern durfte durch Vertrauen, geschicktes gewaltfreies und positives Training lernen, dass ihr in dieser Welt nichts geschieht... 



Sie haben auch einen sehr ängstlichen Hund zu Hause? Er verbellt Menschen, knurrt wenn Besuch kommt oder hat auch schon geschnappt? Oder Sie können Ihren Hund überhaupt nicht (mehr) einschätzen? Kontaktieren Sie mich, es gibt immer eine Möglichkeit, Ihrem Hund und Ihnen zu helfen - dauerhaft.




Dienstag, 24. April 2012

Clickertraining - mehr als nur "sinnloses" Trainieren von Tricks

Beim Clickertraining wird positive Verstärkung gezielt und für den Hund verständlich umgesetzt. Der Click bedeutet für den Hund: "Das hast du richtig gemacht.". Die einzige Strafe, die der Hund bei nicht erwünschtem Verhalten erfährt, ist: Kein Click, bedeutet keine Belohnung.

Ein Click bedeutet immer Belohnung - meist Futter, aber auch Spiel oder für den Hund die Möglichkeit, etwas Interessantes oder Angenehmes tun zu können.
Nachdem der Hund gelernt hat, was der Click bedeutet, kann mit dem Training begonnen werden.

Die meisten Hundemenschen verbinden mit Clickertraining ein mehr oder weniger "sinnloses" Einstudieren von Tricks oder Kunststücken.
Clickertraining kann aber viel mehr und gehört bei Hansi zum Verhaltenstherapieprogramm:

Hansi, 3 jähriger Rottweilermischling, war bis vor kurzem im Tierheim. Er hätte getötet werden sollen, da er "aggressiv und unberechenbar" war. Die Wahrheit ist, dass Hansi ein sehr lernwilliger und freundlicher Hund ist, der einem die Wünsche von den Lippen ablesen möchte - WENN er die Möglichkeit hat, ohne Strafandrohungen und Zwangsmaßnahmen zu lernen. Leider wurde er "traditionell" in Unterordnung "abgerichtet", wodurch er lernte, sich zur Wehr zu setzen. Abgesehen davon, dass dies absolut tierschutzrelevant ist, verlernen Hunde durch derartiges Training auch jegliche Eigeninitiative und Kreativität: Zu oft wurden sie durch Anschreien, Leinenruck, Alpha-Wurf, oder gar illegaler "Hilfsmittel" (Stachelhalsband, Elektroschocker) bestraft. Die Strategie, die ihnen Sicherheit gibt, lautet: "Tu am Besten nichts, dann kannst du nichts falsch machen."
Dieses Video zeigt einen Ausschnitt einer Trainingssequenz, in der Hansi einfach nur lernen sollte, IRGENDETWAS mit der Schachtel zu tun. Dies ist zu Beginn meistens "nur" hinschauen:




Nemo musste zum Glück keine derart schlechten Erfahrungen machen. Ich möchte seinen "Mut" fördern und ihm helfen, sein Verhaltensrepertoir auszuweiten. Dazu gehört bei ihm das Gegenstände-in-den-Mund-nehmen, was er nur sehr vorsichtig von sich aus tut:




Baghira lernt wohl das - aus Menschensicht - Sinnvollste --> Einräumen:




Diese Art von Training fördert überlegtes Handeln beim Hund, wirkt sich sehr positiv auf Impulskontrolle und Frustrationstoleranz aus und macht ganz einfach Spass... :-)



Mittwoch, 3. August 2011

Schluss mit privater Schutzhundeausbildung!

fotografiert von Ursula Aigner

Früher mussten Hunde diverse „Zwecke“ erfüllen, wie Bewachen oder Beschützen. Heute werden Hunde zum Glück als Freunde und Familienmitglieder betrachtet, die sich sehr eng an ihre Menschen binden. Anders in der so genannten Schutzhundeausbildung, wo sie darauf abgerichtet werden, Menschen zu beißen. Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN veröffentlicht heute ein Undercover-Video, das dieses Scharfmachen zeigt und erstattet Anzeige wegen Tierquälerei.


In diesem Video ist das Schutzhundetraining des Vereins „IG-HS“ (Interessensgemeinschaft Hundesport) aus Möllersdorf (NÖ) zu sehen. Unter Anleitung von Schutzhundesport-Weltmeisterin Renate L. werden Hunde durch brutale Zwangs- und Strafmethoden - Anschreien, Leinenrucken, illegaler Einsatz von Stachelhalsband und Elektroschocks - abgerichtet. Renate L. ist auch Teilnehmerin des Kynologie-Lehrgangs der Veterinärmedizinischen Universität. „Dass diese Tierquälerin als ‚akademisch geprüfte Kynologin’ abschließen soll, ist aus Tierschutzsicht äußerst bedenklich“, meint Johanna Stadler, Geschäftsführerin von VIER PFOTEN.

Das Österreichische Tierschutzgesetz verbietet aggressionsfördernde Maßnahmen, laut Wiener Tierhaltegesetz und der Diensthunde-Ausbildungsverordnung dürfen nur Diensthunde der Sicherheitsexekutive und des Bundesheeres eine Schutzhundeausbildung absolvieren. Dass derartiges Training vielfach auch von Privatpersonen an deren Hunden durchgeführt wird, ist nur wenigen Menschen bewusst. Im Namen unterschiedlicher Schutzhundesportarten werden Einsatzszenarien der Polizei nachgestellt. Was als „Beutetrieb“ verharmlost wird, kann Hunde zur gefährlichen Waffe machen – ein erwünschter Effekt in der Diensthundeausbildung.

„Um schnell zu Erfolgen zu kommen, insbesondere, um den beißenden Hund zum Auslassen zu bewegen, werden körperliche Strafen eingesetzt, wie schmerzhaftes Reißen an Kettenwürgern, auf die Zehen treten oder in die Ohren des Hundes kneifen.“, so Johanna Stadler. Deutlich im Video erkennbar: Selbst vor in Österreich verbotenen Ausbildungshilfen wird nicht zurückgeschreckt: Stachelhalsband (eine auf Zug immer enger werdende Stahlkette mit nach innen gerichteten Stacheln) und Elektroreizgeräte (Halsband, das auf Knopfdruck dem Hund einen Stromstoß gibt).

Dies steht im absoluten Widerspruch zu einer freundschaftlichen und respektvollen Mensch-Hund-Beziehung und ist auch aus Gründen der Sicherheit abzulehnen. „Diese Tierquälerei im Hundesport muss endlich ein Ende haben. Wir fordern ein generelles und ausdrückliches Verbot solcher brutalen Abrichtemethoden“, so Stadler abschließend.