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Sonntag, 16. November 2014

Rottweiler Marlo - ungewisse Zukunft


Der Rüde Marlo (ehemals Macho) hatte bisher Pech in seinem Leben. Seit fast einem Jahr lebt er in einem kleine Zwinger in einer Tierpension in Ungarn, nahezu ohne Umweltreize bzw. Auslauf.


Seine Geschichte ist hier nachzulesen:

Erster Spaziergang mit dem Rotti aus Ungarn

und

Training "aggressiver" Rottweiler - Hilferuf aus Ungarn


Seit wenigen Monaten arbeite ich mit Marlo alle 2-3 Wochen. Trotz der langen Zeit und der mehr als suboptimalen Betreuung machte Marlo tolle Fortschritte:

Er lässt sich bereits ein Brustgeschirr anziehen:



Marlo lernt andere Menschen positiv kennen:



Gemeinsam mit mir war Marlo insgesamt vier Mal für ein paar Minuten im Freien:



Beim ersten Kurzspaziergang war Marlo nicht/kaum in der Lage, Futter zu nehmen, weil er dermaßen reizüberflutet ist.

Futter nehmen beim dritten Mal Zwinger verlassen.

Sein Horizont erweitert sich schließlich um mehrere Dimensionen, wenn er mit mir draußen ist. Im Zwinger sieht er nur geradeaus einen Holzzaun in 3-4 Meter
Entfernung. Beim vierten Mal war Marlo bereits ansprechbarer und aufnahmefähiger, was natürlich prinzipiell gut ist, ABER... Reaktionen auf die umgebende Umwelt werden immer wahrscheinlicher.

Hier wären wir auch schon bei den Problemen angekommen: Das Gelände der Tierpension ist äußerst ungünstig organisiert:
Es gibt keine eingezäunten Ausläufe, nur das Gelände insgesamt ist eingezäunt: Ein riesiger Schutzhundetrainingsplatz und zwei Gebäude, aus denen auch noch Hunde heraus bellen, benachbarte Hühner, die Hofkatze, ein angrenzender Stadl, vor dem Gänse gestopft werden, ...
Last but not least: Das Zurückbringen in den Zwinger ist ein Spießrutenlauf an
bellenden Hunden vorbei bzw. auf sie zu. Auch wenn die Zwinger in dieser Zeit mit einem Sichtschutz versehen werden, ist dies eine brenzlige Situation.

Zurück in den Zwinger müssen wir an bellenden Hunden vorbei bzw. auf bellende Hunde zu.

Furchtbare Umweltvoraussetzungen und auch für mich/uns eine psychische "Herausforderung" (Gänse stopfen, teilweise 2 Elektroschockgeräte an einem Hund, Schutzhundler-Einstellung in Umgang und Training, Verhalten Frauen gegenüber "verbesserungswürdig"...) ...

All diese Einflüsse können einen Hund wie Marlo (Deprivationssyndrom) zu Verhaltensweisen bringen, die gefährlich werden können...
Ganz abgesehen von den Gefahren wie Losreißen oder umadressierte Aggression, ist ein Hund, der alle 2-3 Wochen eine grüne Wiese unter den Pfoten spürt, in den kurzen Momenten kaum denkfähig, viel wahrscheinlicher sind reflexive Verhaltensreaktionen bzw. Bewältigungsstrategien wie Freeze/Faint (erstarren, in sich gekehrt sein), Fiddle about/Flirt (Übersprungshandlungen, sich anbiedern), Flight (Flüchten) oder Fight (Kämpfen).

Erstarrt vor den vielen Eindrücken war/ist Marlo bereits. Unter diesen Umständen sind die weiteren Strategien vorprogrammiert, es wäre fahrlässig (längst nicht nur für mich!), an dieser Stelle weiterzumachen.

Marlo und ich vertrauensvoll im Zwinger.

Das wohl Wichtigste, was ich in den letzten Jahren gelernt habe (durch Umgang und Training von "gefährlichen" Hunden), ist, auf mein Bauchgefühl zu hören. Das Unterbewusstsein bemerkt Unstimmigkeiten / Unsicherheiten / Gefahren viel schneller, als das Bewusstsein denken kann.
Ich hatte vor allem vor dem letzten Besuch, bei dem Marlo zwei Mal Wiese unter seinen Pfoten spüren durfte, ein schlechtes Gefühl. Übrigens ganz im Gegensatz zu der Zeit gemeinsam mit Marlo im Zwinger: Bei der Situation im Zwinger bin nur ich eine positive Neuerung, die er dankbar annimmt und Vertrauen fasst. Im Freien ist alles neu und überwältigt / überfordert ihn völlig.




Leider zeigen sich die Betreiber der Tierpension nicht kooperationsbereit: Sie wollen keinen Auslauf einzäunen, das ist aus ihrer Sicht für einen Hund nicht notwendig (Hunde müssen am Schutzhundeplatz funktionieren, ansonsten sind sie in Zwingern oder Boxen eingesperrt und warten auf den nächsten Einsatz im Beiß"sport").

Marlo völlig überwältigt und erstarrt im Freien.

Ohne, dass Marlo sich regelmäßig selbstständig in einem Auslauf bewegen kann, ist ein weiterführendes Training nicht möglich. Wir sind hier an den Grenzen des Trainierbaren angekommen.

Wenn wir jedoch nicht weiter trainieren, steht Marlos Todesurteil fest, ohne ihm eine echte Chance gegeben zu haben.

Daher hier ein Hilferuf, wir benötigen dringend Unterstützung:

Entweder
  • die Möglichkeit einer Unterbringung, in der ein gesicherter Auslauf möglich ist, idealerweise im Umkreis von etwa 100km von Wien.
Und/oder
  • finanzielle Unterstützung, da auch die aktuelle Versorgung von Marlo bezahlt werden muss (derzeit hängt die finanzielle Verantwortung mehr oder minder an nur einer Person) und die weitere Versorgung unter besseren Bedingungen sowieso.
Wer kann Marlo helfen?

Finanzielle Unterstützung an:
Kontoinhaber: Private Tierhilfe Ungarn
HYPO NÖ – Landesbank für NÖ und Wien 
AT16 5300 0032 5502 1086 
HYPNATWW 
Kennwort Marlo


Es gibt bestimmt auch noch andere Möglichkeiten der Unterstützung, an die ich/wir noch nicht gedacht haben.
Bitte kontaktiert mich unter u.aigner(ät)gmail.com bei weiteren Vorschlägen.

Es gibt viele Hunde, denen ein ähnliches Schicksal wie Marlo bevorsteht. Wenn wir Marlo helfen können, stellt das einen positiven Gegenpart zur Euthanasiepraxis bzw. harten und gewalttätigen Trainingsmethoden dar - ein kleiner Baustein, der vielleicht hilft, in den Köpfen der Menschen etwas zum Guten zu bewegen. Ohne direkter und individueller Hilfe gerät die Gesamtproblematik in den Hintergrund, die getöteten und misshandelten Hunde sind nichtmal mehr Nummern.

Für Marlo ist es noch nicht zu spät!


Dienstag, 24. April 2012

Illegale Elektroreizgeräte für Hundeausbildung in Wiener Onlineshop erhältlich

Die Tierschutzstiftung deckt auf: Ein österreichischer Onlineshop für Hundebedarf mit Sitz auf der Mariahilferstraße verkauft illegale Trainingshilfsmittel wie z.B.
Elektroreizgeräte. Das österreichische Tierschutzgesetz verbietet in
§5 nicht nur die Anwendung, sondern auch das In-Verkehr-Bringen, den
Erwerb und den Besitz dieser Geräte. Die Tierschutzstiftung erstattet
Anzeige wegen Tierquälerei.



Elektroreizgeräte versetzen dem Hund bei unerwünschtem Verhalten
einen Stromstoß mittels Fernbedienung. "Diese auf Strafe basierende
Methode im Hundetraining widerspricht dem österreichischen
Tierschutzgesetz und ist eindeutig Tierquälerei.", sagt die
Gerichtssachverständige und Verhaltensbiologin Ursula Aigner.
Veraltete Methoden, die mittels Strafe den Hund zu einem
bestimmten Verhalten zwingen, sind außerdem auch laut neuer
Hundeausbildungsverordnung des für Tierschutz zuständigen
Bundesministeriums für Gesundheit durch gewaltfreie Maßnahmen mittels
Motivation und Belohnung zu ersetzen.

Dennoch sind illegale "Hilfsmittel" wie Elektroschocker nach wie
vor in der Hundeausbildung und im Hunde'sport' im Einsatz und im
Onlinehandel leicht erhältlich. Alexander Willer, Kampagnenleiter der
Tierschutzstiftung: "Leider ist das Ziel vieler HundeausbildnerInnen
und HundehalterInnen nach wie vor der 'Kommandoempfänger Hund', der
immer und überall funktionieren muss. Hunde sind fühlende Lebewesen,
sie haben ein Recht auf einen respektvollen und vor allem
gewaltfreien Umgang."

"Sicheres und harmonisches Zusammenleben erreicht man nicht durch
militärischen Drill, sondern durch Training mit Motivation und
Belohnung. Gewalt kann irgendwann Gegengewalt seitens des Hundes
bewirken", schließt Verhaltensbiologin Aigner.

Die Tierschutzstiftung fordert im Sinne des Tierschutzes und der
Sicherheit absolute Gewaltfreiheit im Hundetraining!

Mittwoch, 3. August 2011

Schluss mit privater Schutzhundeausbildung!

fotografiert von Ursula Aigner

Früher mussten Hunde diverse „Zwecke“ erfüllen, wie Bewachen oder Beschützen. Heute werden Hunde zum Glück als Freunde und Familienmitglieder betrachtet, die sich sehr eng an ihre Menschen binden. Anders in der so genannten Schutzhundeausbildung, wo sie darauf abgerichtet werden, Menschen zu beißen. Die Tierschutzorganisation VIER PFOTEN veröffentlicht heute ein Undercover-Video, das dieses Scharfmachen zeigt und erstattet Anzeige wegen Tierquälerei.


In diesem Video ist das Schutzhundetraining des Vereins „IG-HS“ (Interessensgemeinschaft Hundesport) aus Möllersdorf (NÖ) zu sehen. Unter Anleitung von Schutzhundesport-Weltmeisterin Renate L. werden Hunde durch brutale Zwangs- und Strafmethoden - Anschreien, Leinenrucken, illegaler Einsatz von Stachelhalsband und Elektroschocks - abgerichtet. Renate L. ist auch Teilnehmerin des Kynologie-Lehrgangs der Veterinärmedizinischen Universität. „Dass diese Tierquälerin als ‚akademisch geprüfte Kynologin’ abschließen soll, ist aus Tierschutzsicht äußerst bedenklich“, meint Johanna Stadler, Geschäftsführerin von VIER PFOTEN.

Das Österreichische Tierschutzgesetz verbietet aggressionsfördernde Maßnahmen, laut Wiener Tierhaltegesetz und der Diensthunde-Ausbildungsverordnung dürfen nur Diensthunde der Sicherheitsexekutive und des Bundesheeres eine Schutzhundeausbildung absolvieren. Dass derartiges Training vielfach auch von Privatpersonen an deren Hunden durchgeführt wird, ist nur wenigen Menschen bewusst. Im Namen unterschiedlicher Schutzhundesportarten werden Einsatzszenarien der Polizei nachgestellt. Was als „Beutetrieb“ verharmlost wird, kann Hunde zur gefährlichen Waffe machen – ein erwünschter Effekt in der Diensthundeausbildung.

„Um schnell zu Erfolgen zu kommen, insbesondere, um den beißenden Hund zum Auslassen zu bewegen, werden körperliche Strafen eingesetzt, wie schmerzhaftes Reißen an Kettenwürgern, auf die Zehen treten oder in die Ohren des Hundes kneifen.“, so Johanna Stadler. Deutlich im Video erkennbar: Selbst vor in Österreich verbotenen Ausbildungshilfen wird nicht zurückgeschreckt: Stachelhalsband (eine auf Zug immer enger werdende Stahlkette mit nach innen gerichteten Stacheln) und Elektroreizgeräte (Halsband, das auf Knopfdruck dem Hund einen Stromstoß gibt).

Dies steht im absoluten Widerspruch zu einer freundschaftlichen und respektvollen Mensch-Hund-Beziehung und ist auch aus Gründen der Sicherheit abzulehnen. „Diese Tierquälerei im Hundesport muss endlich ein Ende haben. Wir fordern ein generelles und ausdrückliches Verbot solcher brutalen Abrichtemethoden“, so Stadler abschließend.