Mittwoch, 26. Oktober 2011

Aggressionsverhalten durch E-Geräte?

Die Abnahme eines E-Geräts in Donnerskirchen (Burgenland), das einen jungen Mali hindern sollte, ein Firmengelände zu verlassen, löst wieder mal eine Grundsatzdiskussion aus: Ist die Anwendung von E-Geräten vertretbar, wenn es darum geht, den Hund vor dem sicheren Unfalltod auf der Straße zu bewahren? 

 

 

Beim Überschreiten der Grenze des Grundstücks, erhalten die einen Elektroschock und sollen dadurch am Davonlaufen gehindert werden. Das allein ist absolut tierschutzrelevant! 

 

 

 

Eine Studie von Richard Polsky bestätigt außerdem eine weitere Gefahrenquelle solcher "Electronic Pet Containment Systems": Verbinden die so traktierten Hunde den Elektroschock nicht mit dem eigenen Verhalten (also dem Überschreiten einer Grenze), sondern mit Menschen, Tieren oder Reizen aus der Umwelt, kann dies äußerst unangenehme Folgen haben...




Can Aggression in Dogs Be Elicited Through the Use of Electronic Pet Containment Systems? 

Richard Polsky, 2000
Link zur Studie: http://www.dogexpert.com/Bio/Electronic%20fences.pdf


Zusammenfassung der Studie:


Polsky presented a set of five case reports based on data from legal documents relating to personal injury lawsuits involving severe attacks on humans by dogs who were being trained or maintained on an electronic pet containment system (using a shock collar). In every incident, the dog was within the "shock zone" and all fences were working; the dogs must then have received a shock. Four of the five dogs were not subject to threatening behavior by the victims prior to the attack. None of the dogs gave any kind of warning prior to biting, and all bit their victims repeatedly and seriously in the head, face, back and neck.
The analysis suggests that the dogs' aggression was caused by the shock. There are several unknown factors to the cases, including the training used to introduce the dog to the fence, the amount of time the dog spent outside unsupervised, and what level of shock intensity the dogs received. However, the reaction of the dogs, and especially the severity of the attacks, was inconsistent with their past behavior. Polsky concluded a "possible interpretation in terms of unconditioned aggression as a result of a dog having received electronic shock and avoidance-motivated aggression mediated through fear reduction toward human stimuli."


Conclusio: 
Hund nicht unbeaufsichtigt alleine im Garten lassen bzw. einen massiven möglichst ausbruchssicheren Zaun bauen...



Dienstag, 25. Oktober 2011

VIER PFOTEN und WTV befreien Schäferhund von Elektroschockgerät



Verhaltensforscher Prof. Kotrschal im Kurzinterview

Weiterer gemeinsamer Erfolg von VIER PFOTEN und Wiener Tierschutzverein in der Kampagne gegen Brutalität in der Hundeausbildung! In einem KFZ-Betrieb in Donnerskirchen, (Burgenland) konnte ein Hund von einem Elektroschockgerät befreit werden. Dem 26 Wochen jungen Belgischen Schäfer war die illegale Apparatur um den Hals geschnallt worden, um ihn durch schmerzhafte elektrische Reize abzuhalten, vom Firmengelände wegzulaufen. Der von Mag. Ursula Aigner und Mag. Alexander Willer gerufene Amtsveterinär zog das verbotene Gerät umgehend ein.

„Es geht hier jedoch nicht ‚nur’ um die unnötige Tierquälerei an dem Hund. Leicht kann es passieren, dass der Hund die schmerzvolle Strafe nicht mit seinem Verhalten in Verbindung bringt, sondern im schlimmsten Fall beispielsweise mit dem Erscheinen von Kindern. Unfälle sind vorprogrammiert.“, so Ursula Aigner, Hundeexpertin von VIER PFOTEN.

„Das ist sicher kein Einzelfall! Obwohl die Anwendung von Elektroschockgeräten in der Hundeausbildung in Österreich klar verboten ist – sogar ihr Besitz ist strafbar –, gibt es immer wieder Fälle im Training von Jagdhunden, Schutzhunden oder so genannten Wachhunden, wo diese Geräte weiterverwendet werden“, sagt Alexander Willer, Kampagnenleiter des Wiener Tierschutzvereins.

Ein vielschichtiges Problem, zu dem der anerkannte Verhaltensforscher Prof. Dr. Kurt Kotrschal zur Kampagne von VIER PFOTEN und Wiener Tierschutzverein ein Kurzinterview gab.

Frage 1: Woran liegt es, dass Teile der Jägerschaft die Wiederzulassung bereits verbotener Gerätschäften wie z.B. Elektrohalsbändern fordern?

Dr. Kotrschal: Da müssen Sie die Jäger fragen. Möglicherweise sind mit Elektrohalsbändern schnellere und nachhaltigere ‚Erfolge’ zu erzielen als mit sanfteren Methoden. Möglicherweise ist bei vielen Jägern weder der Wille noch die Zeit vorhanden, sich mit diesen sanfteren Methoden auseinanderzusetzen und mit dem Hund intensiver zu arbeiten.


Frage 2: Glauben Sie als Verhaltensforscher, dass verhaltensauffällige Hunde durch Strom therapierbar sind?

Dr. Kotrschal: Kommt drauf an, worum es sich handelt. Es besteht aber immer die Gefahr, dass die Anwendung von Stromreizen diese Probleme noch verstärkt. Der Einsatz von Stromstößen ist immer mit Angst verbunden, daher ist eine fachkundige Verhaltenstherapie auf jeden Fall einer ‚raschen Lösung’ durch Einsatz von Strom vorzuziehen.


Frage 3: Sehen Sie durch die Bestrebungen von bestimmten JägerInnen, SchutzhundesportlerInnen oder ‚StromtherapeutInnen’ eine Gefahr, dass das gesetzliche Verbot von elektrischen Hilfsmitteln zur Hundeerziehung aufgeweicht wird?

Dr. Kotrschal: Natürlich! Anstatt weiter auf den Einsatz von Strom zu setzen, diesem hinterherzuweinen oder sogar illegal zu arbeiten, sollten Jagdhundausbildner ihren Methodenkanon hinterfragen. Es geht immer auch anders, aber dazu müsste man u.a. die Beziehungsarbeit zwischen Jagdhund und Hundeführer intensivieren.


VIER PFOTEN und der Wiener Tierschutzverein fordern strengere Kontrollen und Maßnahmen gegen tierquälerische Methoden in der Hundeausbildung.

http://www.vier-pfoten.at/website/output.php?id=1051&idcontent=3964&language=1